Welten erleben…

Sonntag, 24 August 2008

Die Lüge eines Lebens (Christian von Ditfurth)

Filed under: Geschichte,Gesellschaft — Schlagwörter: , , — bru @ 9:57

Die Lüge eines Lebens von Christian v. Ditfurth ist 2007 beim Kiepenheuer & Witsch Verlag erschienen. Der rund 427 Seiten umfassende Kriminalroman kostet in der Schweiz 35.90 Fr. Aufgrund des hohen historischen Anteil über den Nationalsozialismus ist der Krimi als Erwachsenenroman einzuordnen. Jedoch wie bei allen Kriminalromanen ist die Zielgruppe breit gefächert und das gilt auch bei diesem Krimi. Die Lüge eines Lebens ist der vierte Roman der Stachelmann-Krimireihe.

Der Historiker Josef Maria Stachelmann hat seine Habilitation über das KZ Buchenwald glänzend bestanden. Sein Chef, Professor Bohming, müsste ihn nur noch befördern. Auch das Privatleben lässt keine Wünsche offen, seine Beziehungskrise mit Anne scheint überwunden. Doch dann fallen Schüsse an der Hamburger Universität. Stachelmann realisiert schnell, dass die Schüsse ihm galten. Stachelmann bleibt unverletzt, doch hegt er die Vermutung, dass der Schütze ihn absichtlich verfehlt hat. Die Kriminaluntersuchung verläuft vorerst erfolglos. Als parallel im Internet eine Hetz-Kampagne gegen ihn und seine Habilitationsschrift gestartet wird, entscheidet sich Stachelmann, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Angstzustände plagen ihn und er schlittert immer tiefer in eine Lebenskrise hinein. Er verliert sich zusehends in wirre Gedankengänge. Wer könnte der Täter sein, was sind seine Absichten? Die Internetkampagne ist seine einzige Spur und führt ihn allmählich zu einer Studentin namens Brigitte Stern. Brigitte scheint der Schlüssel zur Lösung zu sein, doch zu einer vollständigen Aussprache kommt es nicht, Brigitte ist verschwunden.

Darstellung
Die Geschichte ist durchgehend in personaler Erzählperspektive verfasst und beinhaltet viele innere Monologe (hauptsächlich von Stachelmann). Der Plot ist meist chronologisch erzählt, blendet aber zum Teil zurück, um historische Zusammenhänge aufzuzeigen.
Stachelmann verkörpert den Krimikommissar schlechthin. Sein Privatleben und die Rolle als typischer Aussenseiter der Gesellschaft wirken teilweise klischeehaft. Sowohl der Handlungsverlauf als auch die Ermittlung sind meist realistisch und gut nachvollziehbar. Die häufig auftretenden inneren Monologe und Gefühlsausbrüche ziehen die Geschichte unnötig in die Länge und beginnen einem spätestens ab der zweiten Buchhälfte an zu langweilen. Als besonders gelungen erachten wir hingegen die Darstellung der historischen Hintergründe, die perfekt in den Krimi eingearbeitet wurden. Ein geschickt eingefügtes Spannungselement für den Leser ist das Internetforum, in welchem immer wieder neue schleierhafte Beiträge erscheinen.
Der Schreibstil ist einfach und durch die kurzen Sätze ergibt sich ein guter Lesefluss. Die Geschichte ist leicht verständlich und bei der Wortwahl zeigt sich Christian von Ditfurth sehr variabel.

Christian von Ditfurth, der selber als Historiker arbeitet, veranschaulicht, wie man Geschichtswissenschaft mit populärer Literatur in Verbindung bringen kann. Die Lüge eines Lebens zeigt, dass vieles nicht so ist, wie man zuerst denkt. Hinter manchen viel geachteten Personen verbirgt sich eine dunkle Vergangenheit.

Empfehlung
Besonders empfehlenswert ist der Kriminalroman für Leute, die sich für den Nationalsozialismus und die Politik der Nachkriegszeit interessieren. Die geschichtlichen Hintergründe sind mit grosser Ernsthaftigkeit recherchiert und lassen keine Zweifel an deren Wahrheitsgehalt.

Audio-Beitrag: Die Lüge eines Lebens (Christian v. Ditfurth)



Böse Schafe (Katja Lange-Müller)

Filed under: Gesellschaft — Schlagwörter: , , — bru @ 9:51

Wir liegen auf den Matratzen, Kopf an Kopf, bewegen uns kaum, atmen flach. Deine Augen sind geschlossen, meine schauen hoch zum Fenster… Wir haben einander und Zeit; nichts sonst, doch davon ganz viel, obwohl es scheint, als existiere sie gar nicht mehr.
Ich bin frei, nicht zu, sonder von allem, und trotzdem nicht einsam…

So beginnt Katja Lange- Müllers neuer Roman „Böse Schafe“. Bereits der Titel ruft einen Widerspruch hervor, denn Schafe gelten als ruhige und gutmütige Tiere. Doch in diesem 205-seitigen Werk geht es genau um die unterschiedlichen Charakter der Protagonistin Soja und ihrem Geliebten Harry.
Das im August 2007 erschienene Buch ist für 30 sFr. erhältlich und wurde vom deutschen Verlag Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht.
Der Autorin ist mit ihrem neuen Buch ein einzigartiger Liebesroman gelungen, der seinesgleichen sucht. Voller Liebe, Wärme, Gefühl und Eckkneipenromantik und gleichzeitig so voller zerstörter Hoffnungen, Illusionen und trauriger Drogenrealität.

Die Ich-Erzählerin Soja erliegt dem selbstbewussten „Teddybär – Charme“ von Harry, kurz nach ihrem Wechsel aus der DDR nach West-Berlin. „Na, Mausepuppe, wohin geht’s?“  waren seine ersten Worte auf der Strasse, und die sassen!
Die Geschichte beginnt im April des Jahres 1987 im Westen Berlins: Soja schreibt für ihren Geliebten und vielleicht auch für sich selbst die Geschichte auf, welche ihr Leben geprägt oder möglicherweise auch zerstört hat. Soja, die vor dem Mauerfall von Ost- nach Westberlin ausgereist ist, versucht sich nun im Westen der Stadt durchzuschlagen.
Die Blumenverkäuferin trifft mit Harry nicht nur die grosse Liebe, sondern auch eine soziale Herausforderung. Sie wird zu einer Art Sozialarbeiterin, die sich aufopfernd und liebevoll um die Liebe ihres Lebens kümmert.
Als sie von seiner Drogensucht erfährt ist es bereits zu spät, sich von ihm zu trennen, da sie dem wortkargen Mann mit Haut und Haar verfallen ist. Das Paar lebt wochenlang nur von Arbeitslosengeld und „Blumenkohle“, bis Soja plötzlich im Lotto gewinnt. Hemmungslos schildert die Autorin, wie beide, ein Fixer und eine Säuferin, sich bis über den Tod hinaus aneinander klammern:
Soja beginnt ihr eigenes Leben zu vernachlässigen und stellt ihre Bedürfnisse in den Hintergrund. Sie widmet ihr Leben voll und ganz Harry, denn es gibt Momente, da ist Mitleid nicht so schmerzhaft wie Selbstmitleid.

Ein Schulheft mit undatierten neunundachtzig Notizen hat Harry Soja hinterlassen. Dieses intime Schreibheft stellt die zweite Erzählerstimme des Romans dar. Die Sätze nehmen Bezug auf die Zeit, in der die Liebesgeschichte stattgefunden hat, doch darin findet sich der Name von Soja kein einziges Mal: Es ist eine komplette Ausblendung seiner wichtigsten Bezugsperson. In diesen Aufzeichnungen zeigt sich Harry von einer bisher nicht gekannten, zynischen, rücksichtslosen, gehässigen Seite, besonders gegenüber den Menschen, die ihm helfen wollten. Als Gegenleistung hat er also nur mit Verrat, Lüge und Betrug reagiert.

Doch trotz allem hält Soja zu ihm und nimmt sich vor, der Herausforderung standzuhalten und ihm aus dem Drogensumpf herauszuhelfen. Genau aus diesem Grund stellt sie sich immer wieder die Frage, ob Harry sie je geliebt oder ihr nur etwas vorgespielt hat, um ihre bedingungslose Hilfsbereitschaft auszunutzen. Hat sie sich diese Liebe womöglich nur eingebildet und die ganz Zeit über nur in einer Fantasiewelt gelebt?

Unsere Einschätzung
Es ist ein sprachlich eher kompliziertes und anspruchvolles Buch, in dem die Unterschiedlichkeit der Charaktere der beiden Protagonisten gut dargestellt wird.
Die Sätze sind sehr lang und innerhalb eines Satzes können mehrere Zeitsprünge stattfinden. Lange-Müller verwendet viele Metaphern, um die Thematik der Geschichte zu veranschaulichen. Dies fanden wir teilweise unpassend. Einige Passagen mussten wir mehrmals lesen, um sie auch zu verstehen.
Der Roman ist in der Ich-Erzählerperspektive verfasst, um bewusst eine Identifizierung mit der Protagonistin Soja zu erzielen. Die Autorin schafft es durch ihren Schreibstil das Tragische in der Geschichte mit viel Witz und Ironie zu „verschleiern“.
Die Geschichte entwickelt sich erst allmählich, so dass man am Anfang nicht recht weiss, auf was man sich beim Lesen einlässt. Die Sicht der Ich-Erzählerin Soja wird durch verschiedene Tagebuchausschnitte Harrys unterbrochen. Diese hat sie in einem Heft ihres Geliebten gefunden und so erfährt sie im Nachhinein noch manches über ihren Harry.
Die Autorin beschreibt auf der einen Seite durchaus nachvollziehbar, wie Liebe zur Selbstaufgabe führen kann, auf der anderen Seite aber auch, welche Energien sie freisetzt und welchen Pein sie zu ertragen hilft.
Was zu Beginn den Eindruck eines tieftraurigen Romans macht, bei dem es um den Tod und das Dahinleben von Harry geht, entpuppt sich im Verlauf als teils komische, teils dramatische, aber in jedem Falle bewegende Liebesgeschichte; denn was Soja wirklich an Harry findet, warum sie sich so an ihn hängt, bleibt für uns ein Rätsel. Und das finden wir wiederum das Schöne an diesem Roman: es gibt Dinge, die passieren einfach, auch wenn sie nicht logisch erklärbar sind. Denn wie jeder weiss, macht Liebe blind…

Das Einzige, was wir an diesem Buch auszusetzen haben, ist, dass die Thematik des Falles der Berliner Mauer und die damit verbundenen politischen Auseinandersetzungen zwischen dem Osten und dem Westen nur vereinzelt und unklar zur Sprache kommt. Dieser Konflikt wird nicht, wie nach dem Lesen mehrerer Rezensionen erwartet, detailliert geschildert, sondern ungenau und ohne direkten Bezug zu den Protagonisten.

Für Leser, die kitschige oder romantische Liebesgeschichten mögen, ist das Buch nicht das Richtige. Die selbstzerstörerische Liebe Sojas, die unter schwierigsten Umständen in Gang kommt, und ihre teilweise naive Art, mit den Dingen umzugehen, haben wenig mit Romantik, dafür mit viel Realität zu tun. Die Botschaft des Buches ist, dass die Liebe vieles überwinden kann, sowohl Alkohol- und Drogenprobleme. Sie schenkt den Liebenden Kraft für den Zusammenhalt und Hoffnung auf eine bessere Zukunft, sowie es bei Soja geschehen ist.
Empfehlung
Beeindruckt von der Art der Autorin, die Geschichte auf eine Weise zu erzählen, die es dem Leser leicht macht sich in das Geschehen hineinzuversetzen, empfehlen wir diese tabulose Buch jedem weiter, der Lust auf eine einmal „etwas andere“ Liebesgeschichte hat.

Audio-Auszug: Böse Schafe



Die Mittagsfrau (Julia Frank)

Filed under: Geschichte,ohne Kategorie — Schlagwörter: , — bru @ 9:36

Der Roman ‘Die Mittagsfrau’, geschrieben von Julia Franck, erschien im Jahr 2007 im S. Fischer Verlag. Das Buch hat 430 Seiten und ist im Buchhandel für 35.40 Franken erhältlich. Das Werk ist eher ein Roman für Frauen, da  eine Frau im Zentrum steht. Der Roman enthält aber auch historische Daten über den Ersten und Zweiten Weltkrieg und mag so vielleicht auch männliche Leser begeistern. Julia Franck erhielt 2007 für ihr neuestes Meisterwerk „ Die Mittagsfrau“ den deutschen Buchpreis, da die „sprachliche Eindringlichkeit, erzählerische Kraft und psychologische Intensität“  die Jury überzeugten.

Inhalt
In Lausitz erlebt Helene eine harmonische Kindheit, die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges unerwartet endet. Der Vater von Helene und ihrer Schwester Martha wird an die Ostfront geschickt und kehrt am Ende des Krieges nur zum Sterben wieder nach Hause zurück. Die jüdische Mutter der beiden Mädchen zieht sich zunehmend immer mehr von ihrer Umgebung und auch ihren Kindern zurück. Zwischen Helene und ihrer Mutter entsteht eine immer grösser werdende Distanz, die dadurch entsteht, dass Helene vor ihrer empfindungslosen Mutter weicht, die ihre eigenen Kinder kaum mehr wahrzunehmen scheint. Doch zwischen Helene und ihrer Schwester entsteht in dieser schweren Zeit eine innige und sehr liebevolle Beziehung.
Helene möchte Medizin studieren, ein ungewöhnlicher Zukunftsplan für eine Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach dem Tod des Vaters zieht sie anfangs der zwanziger Jahre mit ihrer Schwester zu ihrer Tante nach Berlin, und während Martha ihrer Freundin Leontine wieder begegnet, lernt Helene Carl kennen. Als dieser kurz vor der Verlobung umkommt, verliert sie den Sinn für das Dasein und flüchtet sich in die Arbeit. Auf einem Fest stellt sich ein gewisser Wilhelm vor, er ist begeisterter Ingenieur, der Reichsautobahnen bauen und Helene heiraten möchte. Die Ehe mit ihm führt Helene nach Stettin, wo ihr Sohn Peter zur Welt kommt, der die zerrüttete Ehe der Eltern jedoch auch nicht retten kann, denn die Differenzen zwischen Helene und dem gefühlskalten Wilhelm sind unüberwindbar. Die Liebe, die der kleine Junge von Helene fordert, die Nähe, die er sucht, werden ihr zunehmend unerträglich. Sie ist hin- und her gerissen zwischen Pflicht und Freiheit. Schließlich trifft sie eine ungeheuerliche Entscheidung…
Der Roman „Die Mittagsfrau“ beginnt sehr packend, interessant und mit einer sehr starken Spannung, die es dem Leser leicht macht, weiterzulesen. Helenes Schicksal verläuft schwankend, mal hat sie ein Hoch, dann wieder ein Tief in ihrem Leben, bis schliesslich ein prägender Verlust Eintritt, nämlich der Tod von Carl. Bis zu diesem Zeitpunkt peilt die Geschichte ein Happyend an, welches dann durch den plötzlichen Verlust verunmöglicht wird. Die Spannung nimmt nach diesem Wendepunkt ab. Das weitere Leben Helenes wird schicksalhaft durch den Ehemann Wilhelm und die Geburt ihres Kindes Peter geprägt. Der Schluss ist sehr detailliert und interessant geschrieben, eine grosse Spannung wird aufgebaut, welche jedoch schlussendlich abrupt endet.

Darstellung:
Das Buch ist in zwei Perspektiven geschrieben: Der grösste Teil aus der Innensicht von Helene und später folgt ein kleinerer Teil aus der Innensicht ihres Kindes. Die ersten Seiten der Geschichte sind eine Rückblende und zeigen das Leben des kleinen Peters und seiner Mutter. Nach der schockierenden Entscheidung der Mutter, endet fürs erste der Teil mit Peter abrupt und stattdessen beginnt die Geschichte von Helene als Mädchen. Der Hauptteil der Geschichte verläuft chronologisch, es wird die Lebensgeschichte von Helene geschildert. Fast zu Ende fliesst die Geschichte wieder in den Anfang, nämlich in Peters Geschichte. Am Schluss findet nochmals eine Rückblende statt, bei dem über das Leben des jugendlichen Peter berichtet wird.
Julia Franck verwendet in ihrem Buch einen verständlichen Wortschatz und lange, oft mit vielen Kommas zusammengefügte Sätze, die jedoch verständlich sind. Einzelne Passagen machen die Geschichte durch direkte Rede anschaulicher. Das Buch ist vor allem für Frauen ab 20 Jahren interessant, da es die Stärke und Entwicklung einer sehr besonderen Frau zeigt. Auch die angesprochenen Themen sind eher anregend für Erwachsene. Für Jugendliche ist der Roman wahrscheinlich zu anspruchsvoll und zum Teil auch etwas zu drastisch und direkt geschrieben, da die Schilderungen teilweise sehr ausführlich und detailliert sind, auch wenn es sich um etwas schauerliche Zustände handelt, wie zum Beispiel die Beschreibung eines durch den Krieg verstümmelten und faulenden Körpers.

Bewertung
Helenes Geschichte ist zum Teil beinahe unrealistisch, wird jedoch durch historische Fakten, aus den beiden Weltkriegen und auch die realen Spielorte näher an die Realität gerückt. Die Geschichte ist anfangs durch den Zeitsprung etwas verwirrend, es braucht Gewöhnung, um das Buch fliessend lesen zu können. Was lobenswert ist, ist, dass der Roman die Leserin nach gewisser Zeit sehr packt und man das Buch kaum mehr weglegen kann, da man wissen will, wie es weiter geht. Helenes Kindheit ist geprägt durch eine einerseits selbstbezogenen Mutter und andererseits einen liebenden Vater. Ihre Kindheit und auch ihr späteres Leben sind gezeichnet von meistens gedrückten Stimmungen, welche sich deutlich im Roman widerspiegeln, obwohl man eine solch starke Frau nicht in einem negativen Licht erleben möchte. Es ist teils sehr verwirrend, wie Helene in einer Situation liebevoll und in einer anderen wieder sehr verloren und verbittert wirkt. Grundsätzlich widerspiegeln sich in ihrem Verhalten deutlich die Ereignisse ihrer Kindheit, denn wie auch ihr Vater zeigt sie ab und zu grosses Mitgefühl für ihre Mitmenschen und im nächsten Moment wirkt sie genauso selbstbezogen wie ihre Mutter. Sehr berührend ist der Zwiespalt Helenes zwischen ihrer Freiheit und dem Wohlbefinden ihres Sohnes. Es ist schade, dass sie teilweise als sehr gefühlskalt dargestellt wird, so fällt es einem schwer, sich in die Hauptfigur hineinzuversetzen. Da die Geschichte eine lange Zeitspanne beschreibt, hat das Buch auch sehr viele Seiten, was jedoch zum besseren Verständnis beiträgt und dafür sorgt, dass sich der Leser teilweise doch auch mit der Figur identifizieren kann. Was sehr verwirrend ist, ist der Titel, der nach dem Lesen des ganzen Buches noch immer nicht ganz nachvollziehbar ist, da die Mittagsfrau im Buch nur kurz erwähnt wird und dies auch nicht im Zusammenhang mit der Hauptfigur Helene.
Der Stil des Buches passt zur Handlung: einfach, aber sehr prägnant. Die Sätze bringen die Handlung auf den Punkt und sind nicht ausschweifend. Etwas abstossend sind die genauen Schilderungen grässlicher Situationen, wie die körperlichen Folgen des Krieges oder auch die Beschreibung, wie Helene zum Geschlechtsverkehr gezwungen wird, was vielleicht jemand vom Weiterlesen abhält. Wir haben das Buch mit gemischten Gefühlen gelesen. Zum einen war da diese beeindruckende Frau, die mit ihrem Schicksal kämpft, zum anderen wirkte sie auch gefühllos und wie ihre Mutter „blind am Herzen“ .

Schluss/Empfehlung
Das Buch „Die Mittagsfrau“ ist wirklich ein sehr besonderer Roman und es ist lohnenswert ein derart packendes und beeindruckendes Meisterwerk zu lesen. Die Geschichte ist eine ungewöhnliche, doch genau deshalb ist das Buch so lesenswert. Also, packen Sie die Gelegenheit einer freien Minute und widmen Sie sich diesem beeindruckenden Meisterwerk!

Audio-Beitrag: Die Mittagsfrau (Julia Frank)



Samstag, 16 August 2008

Lea (Pascal Mercier)

Filed under: ohne Kategorie — bru @ 7:49

Lea

Eine Rezension des Bestsellers „Lea“ von Pascal Mercier Von David Renggli und Lea Marberger
Die Novelle „Lea“ wurde von Peter Bieri unter dem Pseudonym Pascal Mercier geschrieben und ist im Jahre 2007 vom Carl Hansler Verlag in München herausgegeben worden. Das Werk umfasst 252 Seiten und der Neupreis liegt in Deutschland bei 19 Euro. Der Schweizer Autor ist 1944 in Bern geboren und betätigt sich als Schriftsteller und Philosoph. Sein bekanntestes Werk ist der im Jahre 2004 erschienene Roman „Nachtzug nach Lissabon“, für welchen er im Jahre 2006 den Maire-Luise-Kaschnitz-Preis erhalten hat.

Inhalt
Dieses Buch erzählt in 34 Kapiteln die Geschichte von Lea, einem jungen Mädchen, das in jungem Alter seine Mutter verlor und deshalb in eine tiefe Depression fiel, bis sie eines Tages im Berner Bahnhof einer Geigerin zuhörte und deshalb von neuer Lebenslust gepackt wird.
Leas Vater, Martijn Van Vliet, trifft eines Tages in der Provence einen Fremden, Adrian Herzog. Im Gespräch stellt sich heraus, dass die beiden Männer beide aus Bern kommen. Auf der gemeinsamen Heimreise, die zwischen den beiden Fremden eine ungeahnte Intimität schafft, erzählt Van Vliet die tragische Geschichte seiner Tochter, die ihn nach Südfrankreich geführt hatte.
Alles begann mit dem Tod seiner Frau, die ihn mit seiner Tochter zurückliess. Vor Trauer erstarrt, verschloss sich das Kind gegenüber seiner Umwelt, bis es mit acht Jahren eine Strassenmusikantin hörte, die eine Violinpartitur von Bach spielte. Von einem Moment auf den anderen war für Lea klar, dass sie Geige spielen lernen musste. Van Vliet ist überglücklich, dass seine Tochter endlich aus ihrer Starre erwacht. Schon bald zeigt sich ihre ungewöhnliche Begabung, doch damit beginnt auch ihr tragisches Verhängnis. Lea eilt von Erfolg zu Erfolg, ihren Vater aber treibt dieser Umstand immer tiefer in die Einsamkeit. Bei seinem letzten verzweifelten Versuch, die Liebe und die Nähe seiner Tochter zurückzugewinnen, verstrickt er sich in ein Verbrechen, das seine bürgerliche Existenz ruinieren wird. Aber auch Lea ist es nicht vergönnt, ihre musikalischen Erfolge auszukosten. Ihr Geist verdunkelt sich und lässt sie schliesslich etwas tun, was alles zerstört.
Der Grossteil der Geschichte wird aus der rückblickenden Sicht von Van Vliet erzählt und wird durch einfühlsame Anteilname und Verständnis vom eigentlichen Ich-Erzähler, Adrian Herzog untermalt. Herzog selber ist ein an sich zweifelnder Chirurg und Familienvater. Er hinterfragt und vergleicht seine Art der Erziehung mit der von Van Vliet. Die gewissen Parallelen verstärken das grosse Verständnis für Van Vliets Handeln. Die Erzählung gibt auch Einblick in das emotionale Innere der handelnden Personen.
Pascal Merciers Novelle handelt von der Fremdheit der Menschen untereinander und stellt die Frage, wie weit wir den Gang unseres Lebens bestimmen können. Es gelingt ihm aber nur teilweise, philosophische Reflexion, psychologische Einfühlsamkeit und erzählerische Vielfalt zu verbinden.

Bewertung
Bei der inhaltlichen Bewertung des Buches möchten wir zuerst auf die Handlung eingehen. Die Handlung ist am Anfang des Buches eher träge und man braucht eine Weile, um sich mit der Personenkonstellation zurechtzufinden, denn die Erzählung schwankt immer von der Realität, in der sich Van Vliet und Herzog befinden, zur Zeit, in der sich die Geschichte von Lea abspielte. Das ist am Anfang eher verwirrend und erschwert den Einstieg in das Buch. Der Leser steht über weite Strecken im Dunkeln und kann nur schwer nachvollziehen worum es eigentlich geht. Wenn man sich erst einmal durch das erste Viertel gekämpft hat, wird die Handlung flüssiger und man kann die Zeitsprünge ohne Probleme nachvollziehen. Es wird eine passive Spannung aufgebaut. Obwohl die Geschichte oft künstlich in die Länge gezogen wird und demzufolge nicht gerade spannend ist, hat man doch den Drang immer weiter zu lesen. Leider bietet auch der Schluss eine grosse Angriffsfläche für Kritik, denn das Ende ist zwar nicht vorhersehbar, aber das Buch ist einfach, ohne die langersehnten Erklärungen oder Auflösungen, plötzlich fertig.
Als gelungen empfinden wir jedoch die Gestaltung der einzelnen Personen. Die Charaktere sind sehr verschieden, und man gewinnt während der Geschichte einen tieferen Einblick in die Persönlichkeit der Menschen, der berührend und aufschlussreich zugleich ist. Auch die Vater-Tochter Beziehung wird eindrücklich beschrieben, sodass man mit Van Vliet mitfühlen kann und sein Handeln besser versteht.
Etwas „gesucht“ scheinen einzelne Situationen am Anfang des Buches, wo Van Vliet einfach so eine andere Person trifft, mit der er sich auf die Heimreise macht, oder dass Lea zufälligerweise eine Geigerin spielen hört. Wahrscheinlich sind diese Ereignisse aber bewusst so beschrieben, dass sie nicht ganz zufällig wirken, sodass der philosophischen Frage, inwiefern wir unser Leben selber bestimmen können, Nährboden gegeben wird.
Die Sprache ist ziemlich abwechslungsreich und gut verständlich, zudem pflegt der Autor einen sehr guten, vielfältigen Stil. Das entspricht auch dem Zielpublikum, junge erwachsene Frauen, sowie Leser und Leserinnen zwischen 35 und 60. Speziell ist, dass einige wichtige Aussagen und Zitate in Französisch sind, jedoch eine Übersetzung fehlt. Mit minimalen Französischkenntnissen und ein bisschen Fantasie stellen diese Passagen jedoch kein Problem dar. Die Sprachwahl der einzelnen Personen spiegelt deren Hintergrund, was zu ihrer Authentizität beiträgt. Die Sprache variiert sehr stark. Je nach Situation ist sie beschreibend, emotional, lustig oder gar nüchtern. Durch das ganze Buch hindurch wird aber lebendig und vielseitig erzählt, wobei die Sprache nie aufgesetzt oder klischeehaft wirkt. Die oft langen Sätze sind gut verständlich.
Der gute Stil sowie die gut gewählte Sprache sind zu loben, trotzdem ist der Umfang des Buches etwas zu lang. Man hätte ohne weiteres einige Passagen auslassen können, ohne sprachliche und stilistische Qualitäten zu verlieren. Nicht einmal inhaltlich hätte etwas ausgelassen werden müssen, denn es sind Wiederholungen zu finden und einige Textpassagen sind für den weiteren Verlauf der Geschichte nicht von Bedeutung.

Leserempfehlung
Wie in der Einleitung erwähnt, beschäftigt sich der Autor auch mit Philosophie. Die Hauptfrage, welcher das Buch nachgeht, ist, inwiefern wir Menschen bestimmen können, wie wir unser Leben gestalten. Man kann davon ausgehen, dass Mercier denkt, dass vieles vorbestimmt ist und so kommt, wie es kommen muss. Wir sind jedoch mit dieser Haltung nicht ganz einverstanden, da man immer die Chance hat eine Entscheidung zu treffen. Mercier überlässt seinen Charakteren in diesem Buch meist keine Entscheidungsfreiheit, sondern sie machen einfach das Naheliegende, ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein, was manchmal beinahe lächerlich erscheint.
Wir möchten zukünftigen Lesern anraten, mit positiven Erwartungen an „Lea“ zu gehen, ohne sich aber in eine „Euphorie“ zu stürzen. Die Geschichte ist berührend und wird wohl emotionale Leserinnen und Leser begeistern können, die Botschaft und die Hauptaussage werden vermutlich jedoch rational denkende Menschen weniger ansprechen.
Trotz allem möchten wir nicht von diesem Buch abraten. Wer das Buch vom Unterhaltungsaspekt aus gesehen liest, wird wahrscheinlich nicht enttäuscht werden, da es Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit aufweist, sowie Themen behandelt, die man sonst eher nicht antrifft.
Im Grossen und Ganzen ist „Lea“ ein gelungenes Buch!

Audio-Auszug



Elfen Ritter: Die Ordensburg (Bernhard Hennen)

Filed under: Fantasy — Schlagwörter: , — bru @ 7:41

„Elfenritter: Die Ordensburg“ ist Fantasy-Literatur der Bestseller-Reihe „Die Elfen“, welche dank ihres fesselnden Schreibstiles und der realitätsnahen Schilderung der Helden, die in den Herzen der Lesers weiterleben, die Jugend in ihren Bann zieht. Erschienen im Jahre 2007 ist das Werk das neuste von Bernhard Hennen und ist mit einer Seitenzahl von 636 im Handel für 9.95 Euro als Taschenbuch erhältlich.

Inhalt

Ort, Zeit, Thematik

Die Geschichte spielt im Spätmittelalter des 16. Jahrhunderts , als Krankheiten wie die Pest und das Toben schrecklicher Religionskriege das Schicksal zahlreicher Menschen bestimmten. Ritter, ausgerüstet mit Radschlosspistolen, Rapieren und Arkebusen, nehmen eine prägende Rolle in diesem Zeitraum ein. An verschiedenen erfundenen Schauplätzen wie dem nördlich gelegenen und mit der Küste Finnlands vergleichbarem Fjordland, dem sagenumwobenen, mythischen und von Elfen bewohnten Albenmark sowie auf der Insel thronenden Ordensburg in Valloncour nimmt die zentrale Handlung ihren Lauf.

Zentrale Handlung

Im Fijordland beginnt die Geschichte, wo die temperamentvolle Königstochter Gishild unter der Obhut ihres Vaters, dem autoritären König Gunnar, in der heidnischen Kultur aufwächst. Als zukünftige Thronfolgerin, fällt sie den verbündeten Elfen sofort ins Auge und wird deshalb von Silwyna, der Waldelfe, in der Kunst des Schleichens und Kämpfens erzogen, bis eine schlagartige Wendung ihr Leben grundlegend verändert. Mit der Zielsetzung der Tjuredkirche, das Heidentum und alle Völker Albenmarks zu vernichten, wird Gishild von den Anhängern dieser entführt, um so König Gunnar zur Kapitulation zu zwingen. Je länger sie unter ihren Todfeinden verweilt, desto mehr sieht Gishild sie in einem anderen Licht. Mit Auch wenn sie sich immer wieder ins Bewusstsein ruft, dass sie mitten unter den Gegnern verweilt. In der Zwischenzeit macht sich der sonst ruhig und bedacht handelnde Vater mithilfe der verbündeten Elfen und Trolle, „die Anderen“ genannt, auf die Suche nach ihr. Eine lange Reise beginnt. Als vorgesehene Thronfolgerin ist Gishild die letzte Chance für das Weiterexistieren des Königsstammbaums, da ihre Mutter nicht in der Lage ist, weitere Kinder zu gebären.

Ein zweiter Handlungsstrang erzählt von dem anderen Hoffnungsträger; von Luc de Lanzac dem Letztüberlebenden eines Pestdorfes. Gefunden von der Ordensritterin Michelle de Droy, nimmt er sich zum ehrgeizigen Ziel, auf das Amt des Ordenritters hinzuarbeiten, um so der Tjuredkirche dienlich zu sein.

Bernhard Hennen erzählt aus beiden Perspektiven von den verschiedenen Schicksalen der Kinder sowie den Spannungen und Konflikten, welche sich zwangsläufig aus den unterschiedlichen Einsätzen für oder gegen die Ideale der Kirche ergeben.

Handlungsführung, Perspektive, Stil, Zeitdarstellung

Krisen werden durch das plötzliche Sterben wichtiger Charaktere ausgelöst, was der Leser nicht voraussieht, da die Krisen häufig durch Zufall oder Fahrlässigkeit verursacht sind. Oft führen diese Situationen zu einer Wende in der Geschichte, da durch plötzliche Zwischenfälle Pläne verworfen und neue Optionen ins Auge gefasst werden müssen.

Die Wahl der Perspektive beschränkt sich auf die auktoriale Erzählweise. Ersichtlich ist dies an der Aufzeichnung der Gedanken verschiedener Personen im selben Kapitel und den zusätzlichen Informationen, die dem Leser vermittelt werden, ohne dass andere Figuren im Buch diese wahrnehmen können. Somit schlüpft der Leser in eine Rolle des Allwissenden. Die Darstellung der Zeit erfolgt in chronologischer Weise, wobei Rückblenden das Verständnis gegenüber der Denk- und Handlungsweise gewisser Charaktere erleichtern, welche schon durch erlebte Erfahrungen in den vorherigen Triologien geprägt sind

Bewertung des Buches

Gestaltung der Handlung

Schon von Anbeginn der Geschichte ist die Handlung fliessend; einleitende Worte oder klare Einführungspassagen gibt es nicht. Aus diesem Grund braucht der Leser einige Zeit um sich zurechtzufinden. Der abrupte Einstieg kann zur Verwirrung führen, vor allem dann, wenn plötzlich mit einem neuen Kapitel ein neuer Handlungsstrang beginnt. Nach und nach werden dem Leser wichtige Informationen preisgegeben, die sich dann wie eine Art Puzzle zu einem Gesamtbild der Situation mit den verschiedenen Charakteren vervollständigen.

Durch die detaillierte Schilderung ist man in der Lage, sich in die Situationen und Personen hineinzuversetzen: Obwohl das Buch unter der Rubrik „Fantasyroman“ läuft, wirkt die Literatur dennoch sehr realistisch, weil der Autor auf überflüssige Übertreibungen verzichtet. Die Persönlichkeitsgestaltung der Fantasyfiguren, wie der Elfen und Trolle, wirkt relativ realistisch, da menschliche Grundkonflikte thematisiert werden.

Klischeehaft wirkt der Roman keinesfalls, weil Bernhard Hennen immer wieder etwas Neues schafft und abrupte Wendungen des Geschehens oder Überraschungen einfügt.

Andererseits verursachen allzu detaillierte Beschreibungen eine gewisse Komplexität, welche das Lesen erschweren und langatmig machen. In gewissen Passagen ist deshalb für das vollständige Verständnis eine hohe Konzentrationsfähigkeit erforderlich.

Dadurch, dass immer am Ende eines Kapitels eine Hauptfigur in Gefahr, ein Bösewicht in Bedrängnis oder ein Rätsel ungelöst ist, wird die Spannung während der ganzen Geschichte aufrechterhalten.

Figurengestaltung

Die verschiedenen Figuren unterscheiden sich nicht nur rein äusserlich, sondern werden durch ihr Sprachniveau oder ihre Charaktereigenschaften deutlich voneinander unterschieden. Diese Unterschiede führen ganz besonders bei Begegnungen zwischen den Figuren zu neuen Konflikten, die wiederum Spannung erzeugen. Dank den vielen Handlungssträngen ist der Leser mit den Charakteren vertraut. Das Innenleben wird genau geschildert, wodurch glaubwürdige Beziehungen entstehen.

Zusätzlich werden beim Wechsel des Handlungsstranges und somit der Perspektive schlimme Todfeinde zu Helden mit Tugenden, welche eigentlich auch für das „Gute“ kämpfen. Auf diese Art schafft es der Autor eine klare Scheidewand von „Gut“ und „Böse“ zu umgehen. Der Leser wird Teil von beiden Perspektiven und zeigt Verständnis Gegenüber dem „Anderssein“.

Perspektivenwahl und Zeitgestaltung

Mit der auktorialen Erzählweise schafft es Hennen die Geschehnisse, die Beziehungen oder die Handlung sehr glaubwürdig zu gestalten. Einen Teil seiner Glaubwürdigkeit verdankt er sicher seiner Fähigkeit in einem Kapitel aus der Sicht von mehreren Person zu schreiben und stets an die Gefühle des Lesers zu appellieren. Die Perspektive ist grundsätzlich auktorial mit personalen Einschüben. Glaubhaftigkeit erzielt Hennen, indem er aufzeigt, wie die Figuren denken und fühlen. Bildhafte Rückblenden, die den Leser aber nicht aus dem Geschehen reissen, geben zusätzliche Informationen und verhelfen dem Leser sich in die Figuren zu versetzen.

Thematik

So wie der Autor die Strukturen der Tjuredkirche und deren Vorgehen beschreibt, sind diese ähnlich auch in Geschichtsbüchern dargestellt. Hennen thematisiert die Religionskriege. Ausserdem setzt sich der Leser mit der Problematik der Pest auseinander. Ferner ist zu sagen, dass weniger die Thematik als die Handlung die Komplexität des Romans ausmacht.

Durch die vielen, bis ins Detail beschriebenen Figuren, welche in der Geschichte bezüglich der Handlungsausführung und der Charakterentwicklung miteinander in Wechselwirkung stehen, ergibt sich ein riesiges Beziehungsnetz. Dadurch entsteht der grosse Umfang des Romans. Die Thematik an sich fliesst in die Charakter- und Handlungsgestaltung mit ein: Sie wirkt real und ist überzeugend mit der Geschichte verknüpft.

Stil

In hektischen Situationen und raschen Rednerwechsel in direkten Reden sorgen kurze Sätze für eine Beschleunigung des Geschehens. Mit längeren Sätzen, verwendet bei Situationsschilderungen oder Beschreibung auch der Realitätsnähe.

Fazit

Das Buch beinhaltet noch keine eindeutige Botschaft, da erst durch die beiden Folgebände klar wird, was Bernhard Hennen dem Leser mit seiner Geschichte aufzeigen will.

Ansätze lassen sich aber natürlich schon im ersten Buch erkennen. „Elfenritter: Die Ordensburg“ zeigt auf, wie wichtig Freundschaft ist und was man mit dem Glauben an sich selber erreichen kann.

Wir empfehlen dieses Buch allen Fantasy-Fans. Unser Tipp an alle Leser ist jedoch, zuerst die drei Vorgänger-Bande zu lesen, damit man die Handlung besser versteht und sich besser in altbekannte Figuren versetzen kann. Mit etwas Ausdauer und Zeit taucht man in eine Welt voller Magie und Abenteuer ein, was wir an diesem Buch sehr schätzen.

Benjamin Gisi / Simon Bucher 5F 07/08

Audio-Auszug: Die Elfen



Mobbing (Annette Pehnt)

Filed under: Familie,Gesellschaft — Schlagwörter: , , , , — bru @ 7:21

Mobbing von Annette Pehnt, 2007 erschienen beim Piper-Verlag aus München, erstreckt sich über 160 Seiten und bietet einer breiten Altersgruppe von zirka 16-35 Jahren einen spannenden Roman über – wie der Titel schon sagt – Mobbing. Anette Pehnt (2000, Förderpreis der Kunststiftung Badem-Württemberg) bietet eine eindrückliche Einsicht in das soziale Umfeld einer gemobbten Person.
Die zentrale Rolle innerhalb übernimmt die Frau eines Gemobbten. Eindrücklich schildert die Autorin die Gedanken der Protagonistin und deren Verhalten bezüglich den psychischen Schäden ihres gemobbten Ehemannes Jo. Gekonnte nimmt Annette Pehnt die Thematik eines Stellenverlustes durch gezielte psychische Angriffe auf die Integrität ihres Mannes auf und gibt dem Leser einen Einblick, welcher sehr beeindruckend auf den Leser wirkt. Die Geschichte ist zeitlos und könnte in jeder erdenklichen Epoche und in jedem geographischen Raum spielen, diese Tatsache und der flüssige Schreibstil der Autorin machen das Buch auch schon für junge Menschen sehr interessant und lesenswert. Zudem ist das Buch in kurzen und verständlichen Sätzen geschrieben. Dieser Schreibstil ermöglicht es der Autorin, dem inneren Monolog und dem Konflikt mit sich selber einen realistischen Nachdruck zu verleihen.  Die Frau des Gemobbten gibt dem Leser mit zahlreichen Rückblenden einen Einblick in das familiäre Leben einer durchschnittlichen deutschen Vorstadtfamilie mit 2 Kindern, eigenem Haus und Auto. In den zwei Kapiteln, welche je einen Tag darstellen, ist kaum ein Spannungsaufbau vorhanden. So gibt es während des Buches lediglich einen Wendepunkt.

Empfehlung
Mit der Wahl des Buches haben wir einen Volltreffer gelandet. Wir sind betroffen von den eindrücklich geschilderten Erfahrungen einer gemobbten Person. Die Handlung ist zwar nicht so spannend, da sich die Vorgänge stets wiederholen, aber trotzdem packend. Annette Pehnt hat uns mit ihrem Buch sehr inspiriert und unsere Verhaltensweise beeinflusst bzw. unsere Sicht auf das heikle Thema Mobbing verändert. Wir konnten uns mit der Person identifizieren und mitfühlen, wie schwierig die Situation für sie ist und wie sehr sie darunter leidet. Manchmal ist jedoch unklar, in welcher Zeit die Frau des Gemobbten sich befindet, da es sehr viele Rückblenden hat und sich die Erzählzeit nur über zwei Tage erstreckt. Im Grossen und Ganzen sind wir mit dem Buch sehr zufrieden und würden es anderen auch empfehlen es zu lesen.
Wir haben gelernt, dass Mobbing einen extremen Einfluss auf die betroffenen Individuen und deren soziales Umfeld hat .
Fabian Gloor, Dejan Mijailovic  5F/Mai 2007

Audio-Auszug: Mobbing



Bella Marie (Peter Biron)

Filed under: Dokumentarische Fiktion — Schlagwörter: , , — bru @ 7:01

Bella Marie wurde im Mai 2007 von Peter Biron verfasst und erschien im Agiro Verlag. Der Krimi umfasst 142 Seiten und ist für CHF 34.80 in der Buchhandlung erhältlich. Es ist empfehlenswert, das Buch im Alter ab 16 Jahren zu lesen, da es sich um einen Kriminalroman nach einer wahren Begebenheit in der Nachkriegszeit handelt.

„Die Aufklärung eines brutalen und gefühllosen Mordes basierend auf authentischen Verhör- und Gerichtsprotokollen“

Bella Marie behandelt die Aufklärung des kaltblütigen Mordes des Viehkastrierers Melchior an seiner Ehefrau Marie. Peter Biron schildert diese authentische Handlung aus der fiktiven Sicht eines zehnjährigen Nachbarsjungen namens Jakob.

Die Tragödie ereignet sich in der Nachkriegszeit im Jahre 1947 in der deutschen Pfalz. Melchior, ein rauer Viehkastrierer und Marie, eine ruhige Frau haben eine stark zerrüttete Beziehung. Die Ehetreue wird tagtäglich verletzt, Marie wie Melchior gehen dauernd fremd. Es kommt nicht selten vor, dass im Roman bis aufs kleinste Detail geschildert wird, wie Melchior gegenüber seiner Ehefrau handgreiflich wird oder sie sogar vergewaltigt. Die Gewalt des Mannes ist immer wieder Zeichen für die verletzte Moral der Gesellschaft der Nachkriegszeit. Die Umgebung wird durch den Autor genau beschrieben: Die zerstörten Gebäude, die Schusslöcher oder die Bunker aus dem 2. Weltkrieg repräsentieren die Deutsche Geschichte. Durch den schlichten Satzbau, den chronologischen Handlungsablauf, der mit rückblendenden, authentischen Gerichtsprotokollen vernetzt wird, bleibt die Spannung und das Interesse am Weiterlesen während des ganzen Romans erhalten.
Die genannten Ereignisse führen zur Trennung Maries von ihrem 17 Jahre älteren Mann. Mit der psychischen Belastung dieser tragischen Tatsache kann Melchior nicht umgehen und ermordet seine Frau kaltblütig. Aus Angst, dass die Nachbarn und Freunde von Marie deren Leiche entdecken könnten, entschliesst er sich, die Leiche in Stücke zu zerlegen und diese anschliessend in den Abort zu werfen. Probleme bei der Entsorgung der Leiche werden zum Verhängnis für Melchior.
Währenddessen wird in der Stadt viel über die Tat gesprochen und über die möglichen Gründe für das plötzliche Verschwinden von Marie diskutiert.
Die Vorkommnisse in der Pfalz werden aus den Augen eines 10-jährigen Nachbarsjungen verfolgt, der die meisten Fakten rund um den Mord auf dem Pausenplatz erfuhr und damit dem Leser wichtige Informationen liefert.
Bei einer Mandeloperation in der Schweiz gelangt er durch einen Zimmergenossen zu weiteren Zeitungsartikel über den Fall Bella Marie.
Melchior sitzt unterdessen im Gefängnis und wird vom Gefängnisgenossen dazu ermutig, seine Tat zu gestehen. Sein Geständnis führt zur Verurteilung, die ihm eine lange Gefängnisstrafe erbringt.
Es ist schwer, den ausserordentlichen Krimi in der Gesamtheit zu bewerten. Bereits im ersten Kapitel des Buches wird die Tat an Marie geschildert und der Täter dem Leser somit genannt. Obwohl die Spannung um den Mörder dadurch erlischt, gelingt es Peter Biron, die Leser mit seiner präzisen Schreibweise am Weiterlesen zu motivieren. Die Spannung spitzt sich zu, indem Melchior seine Tat bis zum Schluss leugnet.
Wie im Kriminalroman oft zu erkennen ist, zeigt die handfeste Beziehung von Marie und Melchior das gefühlslose, kalte und grobe Eheverhältnis zur Nachkriegszeit um 1950 in Deutschland, wo „eine Frau nur ein paar zerrissene Schuhe besitzt und sich für eine handvoll Kartoffeln und vier Briketts verkauft.“
Mit der wenigen, schlichten Charakteren gelingt es dem Autor vollends, die Hintergründe rund um den 2. Weltkrieg und die soziale Struktur aufzugreifen, indem er zwei Geschichten miteinander verknüpft.
Es ist jedoch fraglich, ob sich ein zehnjähriger Junge mit einem realen Mord so reif auseinandersetzt und dabei einen kühlen Kopf bewahren kann. Es ist zweifelhaft, ob ein Knabe in diesem Alter zu solchen Gedankengängen fähig ist.
Da der Mord von Beginn an aufgeklärt ist, würde die Brisanz des Themas abflachen, wenn der Autor den Tathergang und die Geschichte um den Nachbarsjungen noch detaillierter und umfänglicher schreiben würde. Der Umfang des Buches ist somit dem Inhalt des Themas angepasst.

Empfehlung:
Es ist empfehlenswert, den Roman erst im Alter von ungefähr 16 Jahren zu lesen. Wie bereits erwähnt beschreibt Peter Biron den Tathergang, den kaltblütigen Mord, die Vergewaltigung und im Allgemeinen den Umgang mit dem Geschlechtsverkehr teilweise äusserst detailliert. Auch die authentischen Gerichtsprotokolle sind im Buch unzensiert und originalgetreu abgedruckt.
Dem Autor gelingt es mit „Bella Marie“, die Lebensbedingungen der traumatisierten Kriegsopfer in der Nachkriegszeit aufzuzeigen, indem er eine fiktive Geschichte mit authentischen Gerichtsprotokollen verknüpft. Er zeigt auf, dass eine solche spontane Handlung, wie sie Melchior begangen hat, das Leben nachträglich drastisch beeinflussen kann, auch wenn man die Realität zu verwischen versucht…

Yannik Faes, Philipp Kronenberg, 5F/Mai 2008



Powered by WordPress