Welten erleben…

Donnerstag, 12 August 2010

Der gestohlene Abend (Wolfram Fleischhauer)

Filed under: ohne Kategorie — bru @ 8:47

Erscheinungsdatum:     Oktober 2008,  Verlag: Piper, Sprache:  Deutsch,  Seitenanzahl:  368

Autor

Wolfram Fleischhauer, geboren 1961 in Karlsruhe, studierte Literaturwissenschaften und ist heute Konferenzdolmetscher. Als einer der wenigen deutschen Schriftsteller geniesst er weltweites Ansehen. Ein persönliches Erlebnis hat ihn dazu getrieben, diesen Roman zu verfassen. Er versucht, das Schlüsselerlebnis, bei welchem ein ehemaliger Professor von ihm Thesen veröffentlichte, welche scharf kritisiert wurden, im Buch zu rekonstruieren. Bei den Thesen handelt es sich um antisemitistische Äusserungen. Es ist also eine Art Autobiographie, jedoch als fiktive Geschichte verfasst und somit ist nicht alles wahrheitsgetreu.

Inhalt

Matthias, ein Austauschstudent aus Deutschland, studiert ein Jahr lang Literaturwissenschaften in der renommierten Hillcrest Universität in Kalifornien, USA.

Eigentlich hatte er sich vorgenommen, mehr über die Literatur und vor allem mehr über die nationalsozialistischen  Thesen von Jacques de Vander, einem Literaturwissenschaftler, zu erfahren. Stattdessen verliebt er sich in die Studentin Janine und spannt sie ihrem Freund David aus. Dieser ist Vorzeigestudent der INAT, dem Institut für die Theorien von de Vander. Während Matthias mit seiner Situation um die undurchschaubare Janine und dem Drang, das Geheimnis um de Vander zu lösen, ist es ausgerechnet David, sein Rivale, der ihm die Augen  über die erschreckende Wahrheit hinter den Thesen von Jacques de Vander öffnet.

Kommentar

Im Grossen und Ganzen hat Wolfram Fleischhauer mit seiner Autobiographie ein gutes und übersichtlich strukturiertes Buch geschrieben. Die Verbindung zwischen der Autobiographie und Fiktion übermittelt ein ganz spezielles Leseerlebnis, denn die vom Autor selbst erlebten Ereignisse sind sehr gut mit der dazu geschriebenen Geschichte verknüpft.

Die gewählte Erzählform in der Ich- Perspektive verstärkt den gesamten Eindruck des Buches. Man hat das Gefühl, als würde man als  chatten von Matthias die Geschichte selber miterleben.

Jedoch hat Wolfram Fleischhauer für unseren Geschmack zu viele literarische Begriffe verwendet. Es kommt kein richtiger Lesefluss auf, da man viele Wörter nicht auf Anhieb verstehen kann. Er hat es nach unserer Meinung nicht geschafft, die literaturtheoretischen Abschnitte so zu schildern, damit es auch für Laien verständlich und interessant ist.



Ich bring mich um die Ecke (Erlend Loe)

Filed under: Psychologisches — bru @ 8:38


Originaltitel: Muleum, Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 2007 in Norwegen, 1. Auflage in Deutsch in 2008

Übersetzer: Hinrich Schmidt – Henkel

Inhaltsangabe

Julie ist eine 18 – jährige Schülerin. Plötzlich bekommt sie ein SMS von ihrem Vater aus einem Flugzeug über Afrika: „Wir stürzen ab. Ich liebe Dich. Tu, was du willst. Papa.“ Julie ist klar, dass ihr Vater und die ganze Familie nie mehr aus dem Urlaub zurückkommen werden. Nun beginnt für Julie eine Krise. Julie schottet sich von den Menschen ab. Die Versuche der Verwandten, mit Julie etwas zu unternehmen, verlaufen ins Leere. Der Psychiater kann Julie nicht helfen und Julies Freundin Constance geht ihr auf die Nerven. Bei Krysztof, ihrem Hausangestellten, sucht sie in der Neujahrsnacht in der körperlichen Liebe Trost, aber alles geht schief. Grund genug sich vom Leben zu verabschieden. Doch wie? Für Julie beginnt ein neues, ganz anderes Leben mit einer Reise um die ganze Welt nach der Suche eines perfekten und noch nie dagewesenen Selbstmords…

Kritik

Der Stil des Buches ist gut. Der Autor versteht es, den Text auch optisch mit Wortwiederholungen, etc. wirksam einzusetzen. Die Geschichte ist in einer einfachen, verständlichen und saloppen Sprache geschrieben, die den Leser zusätzlich zum Lesen animiert. Die Geschichte wird von Julie in einem inneren Monolog erzählt. Durch den Tagebuchstil ist dieses Buch sehr abwechslungsreich im Vergleich zu vielen anderen Büchern. Die Ideen mit den vielfältigen Selbstmordgedanken sind originell und interessant zu verfolgen.

Mit einem schwarzen Humor führt Erlend Loe die Leser in eine Tabuzone der menschlichen Gesellschaft.

Unterschiedliche Meinungen der Kritiker:

„Ich finde das Buch langweilig. Der Leser bekommt sehr schnell mit, worum es sich in diesem Buch handelt. Man kann den Schluss eigentlich voraussehen. Selbstmord wird in diesem Buch viel zu stark verharmlost. Die einzelnen Versuche von Julie haben immer wieder das gleiche Ziel, und dies führt zu keiner Abwechslung. Der Leser wird so aufgefordert, vielleicht die ersten und die letzten Seiten zu lesen, der restliche Teil der Geschichte ist nicht notwendig.“ – Mary

„Dem Autor ist ein kleines Meisterwerk gelungen. Die Geschichte bringt den Leser regelmässig zu einem Lächeln, hervorgerufen durch den unmöglichen und absurden Humor des Autors, der sich unzerstörbar als roter Faden durch die Geschichte zieht. Man darf die Thematik des Buches nicht zu ernst nehmen, sonst geht der Reiz des Romans unrettbar im tiefen Abgrund des Ernstes verloren.“ – Stefan



Hüter der Macht (Sara Douglass)

Filed under: Fantasy — bru @ 8:29


Übersetzung aus dem Englischen: Sara Riffel
Verlag: Piper, Erscheinungsdatum: März 2008, Seitenzahl: 432, Genre: Fantasy

Inhalt
Zwei Mal im Jahr, zur Sonnen- und Wintersonnenwende, reist der Dominikanermönch Wynkyn de Worde nach Nürnberg, da sich in einem nahen Wald der Höllenschlund, das Tor zur Hölle, befindet. Durch dieses Tor werden die während des letzten halben Jahres geborenen Dämonen auf magische Weise in die Hölle verbannt. Von seiner letzten Reise kehrt er jedoch nicht mehr zurück, er erliegt der Pest und kann seine Aufgabe keinem Nachfolger weitergeben. Einige Jahrzehnte später erfährt der junge Dominikanermönch Thomas Neville von Wynkyns Geschichte und wird vom Erzengel Michael als Wynkyns Nachfolger berufen. So macht er sich auf die Reise nach Nürnberg, um dort Wynkyns mysteriöses Buch, das die Beschwörungsformeln zur Verbannung der Dämonen enthält, zu suchen und seine Aufgabe zu erfüllen.

Kommentar
Das Buch ist grundsätzlich gut geschrieben, es wird eine eher einfache Sprache verwendet, mit weni¬gen altertümlichen Begriffen. Die Charakteristik der Hauptperson und auch Nebenpersonen kommt gut zur Geltung, es werden einige kurze Gedankengänge des Protagonisten eingebaut, die die Persönlichkeit und Mentalität gut zeigen. Es herrscht ein gutes Gleichgewicht zwischen zeitdehnendem, zeit deckendem und zeitraffendem Erzählstil, obwohl die Zeit meistens gerafft wird. Die Autorin verwendet eine auktoriale Erzählform mit einigen personalen Zwischenteilen, so dass man in der Regel den Überblick hat, manchmal sich aber auch in die Figuren hineinversetzen kann.
Speziell ist die Kombination von Fantasy und historischen Hintergründen: Die Geschichte handelt im Mitteleuropa des 14. Jahrhunderts, der Schwarze Tod und der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich bilden einen zentralen Teil der Geschichte und schaffen so eine gute Kombination von Realem und Erfundenem. Der Leser kann den Reiseweg des Protagonisten ohne Karte mitverfolgen, er wird nicht durch viele unbekannte und ungewöhnliche Namen verwirrt. Jedoch könnte es einem Fantasyleser missfallen, dass die Handlung nicht in einer fremden Welt stattfindet. Vielleicht hätte man auch noch mehr Fantasyelemente in die reale Welt einbringen können, es ist eher weniger ein Fanta¬sybuch, wie man eines erwarten würde. Wir fanden diese Kombination aber interessant.
Die Spannung wird in der ganzen Geschichte auf einem ähnlichen Niveau gehalten, es gibt aber einige Phasen, in denen die Spannung etwas abnimmt. Der ganzen Geschichte fehlt unserer Meinung nach ein bisschen „der Kick“, es kommt nie richtig Spannung auf, die ganze Handlung ist eher moderat, die Protagonisten geraten nie wirklich in eine Situation, die den Leser an die Buchseiten bannen. Wir empfehlen dieses Buch deshalb einer Leserschaft, die sich noch nicht gross mit Fantasy befasst hat, es aber einmal versuchen möchte.
Im Allgemeinen finden wir das Buch aber gelungen, wenn auch nicht herausragend.
„Die Hüter der Macht“ bildet den ersten Teil einer vierteiligen Serie, vielleicht ist das hier Bemängelte in den nachfolgenden Büchern anders gestaltet.



Der Russe aus Nizza (Leif Davidsen)

Filed under: ohne Kategorie — bru @ 8:20

Verlag: Zsolnay, Wien; Erscheinungsjahr: 2006 Orginal, Deutsch 2008
Seitenzahl: 476, Textsorte: Roman
Übersetzung: Aus dem Dänischen von Anne-Britt Gerecke

Inhalt

Die beiden Hauptfiguren des Buches sind Marcus und Nathalie Hoffmann. Marcus, ein viel reisender Manager, hat seine Frau Nathalie in Moskau kennen gelernt. Seit ihrer Hochzeit vor 10 Jahren leben sie in Kopenhagen. Obwohl Marcus seine Freizeit lieber im Ferienhaus am dänischen Strand verbringt, kann Nathalie ihn zu einer Schiffsreise von Moskau nach St. Petersburg überreden. Das Ganze kommt für Marcus ziemlich überraschend, da Nathalie bis anhin nie mehr in ihre Heimat zurückwollte.
Doch es kommt, wie es kommen muss: Während das Schiff in Uglitsch ankert, verschwindet Nathalie spurlos von Bord. Weder die örtliche Polizei noch die dänische Botschaft in Moskau nimmt die Sache ernst. Marcus befürchtet das Schlimmste. Deshalb begibt er sich mit Hilfe des Strassenjungen Sascha in einem fremden Land selbst auf Spurensuche. Der russische Alltag ist geprägt durch Korruption, politische Intrigen und Gewalt. Marcus stellt fest, dass er über Nathalie, die Person, die er am meisten liebt, wenig weiss. In Uglitsch hat sie sich freiwillig abgesetzt und den gefährlichen Kontakt zur Halbschwester, die für den tscheschenischen Widerstand tätig ist, gesucht. Für Marcus bricht eine Welt zusammen. Dank Marcus Vater und der Schlauheit Saschas findet er schliesslich Nathalie auf dem Gelände eines ehemaligen russischen Gefangenenlagers.

Kommentar

Leif Davidsen gibt Einblicke in das Russland von heute. Spannung kommt erst nach der langatmigen Einleitung mit dem Verschwinden Nathalies auf. Von da an versteht es Davidsen, den Spannungsbogen bis am Schluss aufrecht zu halten. „Der Russe aus Nizza“ ist weder ein Thriller noch ein Beziehungsroman. Es ist eine gekonnte Mischung. Die Handlung wirkt stellenweise gesucht, z.B. wie Marcus dem Russen Viktor Terechow in Nizza beisteht, oder wie der Autor die Befreiung Nathalies am Schluss in „James Bond Manier“ darstellt. Der Held Marcus erzählt die Geschichte in Ich-Form. Der Roman baut auf einem einzigen Erzählstrang auf, so dass man gut folgen kann. Gedanken zur ehelichen Beziehung und dem Sinn des Lebens aus Sicht des Ich-Erzählers sind eingeflochten. Die Sprache bleibt einfach und beschreibend. Auffallend ist die häu-fige Verwendung der direkten Rede. Die Leserin und der Leser erhalten dadurch das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Menschen und Situationen werden treffend charakterisiert. Mit einer präzisen Sprache schildert der Autor gesellschaftliche, historische und politische Realitäten. Dass Davidsen lange als Journalist in Russland gelebt hat, ist spürbar. Als unterhaltsame und informative Lektüre mit Bezügen zum Zerfall der Sowjetunion und dem Tscheschenienkrieg können wir das Buch sehr empfehlen.



Der Vampir von Ropraz (Jaques Chessex)

Filed under: ohne Kategorie — bru @ 8:08


Erscheinungsdatum: 2007, Verlag: Nagel & Kimche, Seitenzahl: 96 Seiten
Übersetzung: aus dem Französischen von Elisabeth Edel

Inhalt
Das literarische Werk „Der Vampir von Ropraz“ handelt von einem bestialischen Leichenschänder, welcher sein Unwesen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Jura treibt. Er wird nach dem Ort seiner ersten Tat „Ropraz“ benannt, wo er das Grab der jungen Rosa Gilliéron schändet. Dies versetzt die gesamte Bevölkerung des Landstrichs in Aufruhr; durch ihre Wut getrieben suchen sie einen Schuldigen. Mehrere Verdächtige werden festgenommen und befragt, doch gleichzeitig geht der wahre Täter seinem Beuteschema von jungen, attraktiven Frauen nach. Die Suche geht weiter. Kurz darauf, bei einer sexuellen Misshandlung, wird Charles-Augustin Favez überführt. Er muss jedoch aufgrund mangelnder Beweise wieder freigelassen werden, was zur Empörung des Volkes führt. Beim Versuch der Vergewaltigung einer alten Dame wird er aber wieder festgenommen und vor Gericht gebracht und für die Leichenschändungen verurteilt.

Kommentar„Der Vampir von Ropraz“ ist mit seinen 96 Seiten ein sehr kurzes Werk, doch unserer Meinung nach ist er alles andere als langweilig. Chessex beschreibt die Taten des „Vampirs“ von Ropraz mit einer bildhaften, sehr spannenden Stimme, die dem Leser die Taten, die Grausamkeiten, die Verstümmelungen der Opfer ins Gesicht schleudern. Innerhalb kürzester Zeit findet man sich in der kalten Landschaft wieder, die der Autor mit seinen Beschreibungen heraufbeschwört. Da die Erzählung einige wahre Ereignisse in Ropraz wiedergibt, wirkt das Gelesene noch viel unfassbarer, noch weniger begreiflich. Einige Stellen, insbesondere die erotische Motivation mit der perversen Ausübung von Favez’ Begierden sind unserer Meinung nach etwas zu detailliert beschrieben, wodurch sie etwas primitiv wirken. Dieses Buch ist eine willkommene Abwechslung zu den vielen anderen Kriminalromanen, in denen es hauptsächlich um die Tätersuche geht. „Der Vampir von Ropraz“ legt die Hauptakzente auf die genaue Beschreibung der Taten. Weil der Autor am Schluss nicht offen legt, ob Favez wirklich der Schuldige ist, bleibt ein bitterer Nachgeschmack, der zum Nachdenken anregt. Trotzdem hat es der Schluss in sich, da man meint, man sei einer von wenigen, der die wahren Zusammenhänge versteht.

Uns gefiel dieser Roman gut, weil man dabei überlegen muss, was Fiktion und was Realität ist, wodurch uns auf den wenigen Seiten nie langweilig wurde. Jacques Chessex vermischt dabei Standpunkte und Perspektiven gekonnt, woran man merken kann, wie intensiv der Autor recherchiert und sich mit den wahren Ereignissen auseinandergesetzt hat. Er motivierte sich für diesen Roman, als er 1978 nach Ropraz zog und erste Einblicke in die wahren Grundrisse erhielt Wir können das Buch allen weiterempfehlen, die sich für genaue Schilderungen der Brutalität, aber auch des Verhaltens der Bevölkerung bei einem solchen Mord interessieren.

22.06.2009 Cyril Meyer 4d, Silvan Lattion 4d


Pension Eva (Andrea Camilleri)

Filed under: Beziehungen,Gesellschaft — bru @ 7:28

 

Buchverlag:  Kindler/Rowohlt   1. Auflage März 2008

175 Seiten (deutsche Fassung), Übersetzt aus dem Italienischen von Moshe Kahn

Inhalt:

Das Buch „Die Pension Eva“ ist einer der wenigen Romane vom sonstigen Krimiautor Andrea Camilleri. Der Roman behandelt den Lebensausschnitt vom 12 bis zum 18. Lebensjahr einesJungen aus Vigàta auf der Insel Sizilien. Der. Autor beschreibt darin das sexuelle Erwachen der jungen Hauptperson Nenè und seiner zwei besten Freunde. Dabei spielt das Bordell „Pension Eva“ eine grosse Rolle, und zwar nicht nur in sexueller Hinsicht. Als der Vater von Nenès Freund das Bordell übernimmt, verbringt er viele Stunden bei den Frauen, allerdings nicht nur um mit den Frauen zu schlafen, sondern vor allem um von ihrer grossen Lebenserfahrung zu lernen, die sie von ihren Reisen durch die verschiedenen Bordelle Italiens bekommen haben. Auch der 2. Weltkrieg beeinflusst die Entwicklung von Nenè. Denn er lernt im Krieg, auf sich allein gestellt zu sein und sich durchs Leben zu schlagen.

Kommentar:

Wir finden, dass das Buch eine gelungene Erzählung von der Entwicklung Nenès ist, der wegen einem Erlebnis mit seiner Cousine Angela einen sexuellen Minderwertigkeitskomplex erlitt. Andrea Camilleri geht mit der sexuellen Entwicklung von Nenè einfühlsam um, als wäre es seine eigene, auch wenn teilweise etwas übertrieben wird und somit auch die Erzählung dadurch manchmal etwas unrealistisch wirkt. Dieses Unglaubwürdige macht die Geschichte hingegen auch spannend. Der Verlauf der Geschichte ist unberechenbar und es passieren oft unerwartete Dinge, z.B. der vorgetäuschte Mord am Freund einer Prostituierten.

Der Schreibstil ist, bis auf wenige Ausnahmen, wo mit Metaphern umschrieben wird, was in der Pension Eva geschieht, sehr direkt. Zudem ist das Buch sehr kurzweilig zu lesen und es gibt keine künstlich in die länge gezogenen Szenen. Trotzdem bringt der Autor jede Szene authentisch rüber.

Das Buch ist sehr lesenswert, für alle, die eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Geschichte lesen wollen, die auch nicht zu lange ist. Der Autor hat die seltene Fähigkeit, mit seiner Art zu erzählen, einen in den Bann zu ziehen, so dass man das Buch nicht mehr weglegen will. Dies vor allem auch wegen seiner Kurzweiligkeit und der vielen Kurgeschichten der Pension Eva, die im Verlaufe der ganzen Geschichte erzählt werden.


Nordlicht (Melitta Breznik)

Filed under: ohne Kategorie — bru @ 7:06

 
 

Luchterhand Literaturverlag, 02.03.2009
256 Seiten, Originalausgabe

Inhalt

Die Hauptfigur Anna, eine Psychiaterin Mitte 40, steht am Rande eines Nervenzusammenbruchs auf Grund ihres anstrengenden Berufes und der Konflikte mit ihrem Mann. Daraufhin beschliesst sie Zürich zu verlassen und nach Norwegen zu gehen. Sie hofft, in der völligen Dunkelheit in Norwegen wieder ihre innere Ruhe zu finden. Auch die Sehnsucht nach ihrem Vater und die ungewisse Vergangenheit ihres Vaters, welcher im 2. Weltkrieg im Norden stationiert war, ziehen sie nach Norwegen.

Während ihrem Aufenthalt ging sie einem geregelten Tagesablauf nach, zu dem gehörten auch Spaziergänge. Auf einem dieser Ausflüge lernte sie Giske, ein Deutschenbalg, wie sich später herausstellte, kennen. Die zwei Frauen trafen sich immer regelmässiger und eine tiefe Freundschaft entwickelte sich.

Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach der Vergangenheit ihrer Väter und stellten Erstaunliches fest….

Kommentar

Wir finden den Roman, spannend, überraschend, aber irgendwie auch unheimlich, weil man nie genau wusste, ob noch ein Geheimnis ans Tageslicht kommt. Der Ort, den Anna ausgewählt hatte, war steinig, dunkel und absolut einsam, was eigentlich nicht das richtige wäre für eine Frau, welche sich kürzlich von einer Brücke stürzen wollte.

Nordlicht ist kein einfaches Ferienbuch, sondern hinter diesem Titel verbirgt sich eine komplizierte und komplexe Geschichte, da immer wieder Zeitsprünge eingebaut wurden und der Leser sich somit immer wieder auf die neue Situation einstellen muss.

Das Buch empfehlen wir regelmässigen Lesern, welche Spass an einer nicht immer durchschaubaren Geschichte haben.


Kalte Asche (Simon Beckett)

Filed under: Krimi — bru @ 6:56

Beckett_Simon_Kalte_Asche

Verlag: Rowohlt Verlag GmbH

Autor: Simon Beckett

Erscheinungsdatum: August 2008, Seitenzahl: 430 Seiten

Übersetzung aus dem Englischen von Andree Hesse  

Kurzzusammenfassung des Inhaltes:

Die Erzählung handelt davon, dass der forensische Anthropologe David Hunter auf die Insel Runa geschickt wird. David Hunter.ist die Hauptfigur in diesem Buch. Er hat eine Freundin namens Jenny. Weil sie sich selten sehen, ist Jenny meistens gekränkt. David Hunter arbeitet viel und ermittelt zurzeit einen Mordfall, welcher sich auf der Insel Runa abspielte. Dort wurde eine verbrannte Leiche gefunden. Auf der Insel angekommen, wird er gerade von Sergeant Fraser, dem beauftragten Polizisten und  dem ehemaligen Polizisten Andrew Brody in Empfang genommen, welcher auch die Leiche entdeckt hat.

Damit der Tatort nicht mehr berührt wird, bleibt Constable Duncan McKinney, ein junger Polizist, als Wache zurück. Bei dem Versuch, ein Spezialistenteam nach Runa zu holen, müssen Hunter, Fraser und Brody feststellen, dass alle Leitungen zum Festland unterbrochen worden sind. Der Grund dafür ist ein Unwetter über Runa. Während immer weitere merkwürdige Zwischenfälle geschehen, gelang es David Hunter die Tote anhand der Zähne und der Dateien der vermissten Personen zu identifizieren. Als der Fall dann endlich aufgeklärt scheint, nimmt alles eine überraschende Wendung, und es geschieht etwas, womit man durch das ganze Buch nicht gerechnet hat.

Eigene Meinung zu diesem Thriller:

Unser Eindruck von diesem Buch ist weder besonders gut noch besonders schlecht.

Es gibt Stellen im Buch, besonders der Anfang, an dem viel zu genau erklärt wird, was den nun geschieht. Auch wurde von Personen und Handlungen gesprochen, die im weiteren Verlauf der Geschichte keine Rolle mehr spielen.

Positiv finden wir jedoch die Spannung, welche durch das ganz Buch aufgebaut wird und gegen den Schluss abfällt, und als man denkt, es sein endlich fertig, gibt es wieder ein Steigen dieser Spannung, bis das Buch dann ganz fertig ist. Selbst am Schluss des Buches bleibt man in der Ungewissheit stehen, was den nun geschehen mag.


Tochter des Meeres (Metin Arditi)

Filed under: Beziehungen,Familie — bru @ 6:46

Arditi_Metin_Tochter_des_Meeres_2009

Verlag: Hoffmann und Campe, Erscheinungsjahr: Februar 2009, Seitenzahl: 256
Übersetzt aus dem Französischen von Claudia Steinitz

Inhalt

Die junge Näherin Pavlina lebt auf der griechischen Insel Spetses, wo sie mit ihrem Cousin Aris ein Touristenboot besitzt und damit ihr Geld verdient. Doch ihr Leben ist nicht so schön und paradiesisch, wie es scheint.
Die Schicksalsschläge nehmen schon früh ihren Lauf. Zuerst stirbt ihr Vater zusammen mit seinem Bruder, was den Anschein hat, ein Unfall zu sein. Die Liebe zu ihrem Cousin Aris wird immer grösser, obwohl sie weiss, dass er homosexuell ist und ihre Liebe nie erwidern würde. Als sie schliesslich ein Kind von ihm erwartet und er sich umbringt, stellt sich heraus, dass es ihr Bruder war. Er bringt sich wegen vieler Probleme im Liebesleben um.
Pavlinas Mutter und der Pfarrer drängen sie, dass sie ihr Kind zur Adoption freigibt. Ohne gross zu überlegen, willigt sie ein, bereut es jedoch gleich nach der Geburt. All das ist noch nicht genug. Als sie dann, im zweiten Teil des Buches, vor ihren Problemen in die Schweiz flüchtet, stirbt ihre Mutter in Spetses. Sie hat alles verloren, doch ihre Tochter will sie wiederfinden. Eine endlose Suche beginnt.

Kommentar

Unserer Meinung nach hat Metin Arditi das Buch sehr spannend und lebensnah geschrieben. Mit Hilfe der vielen Rückblenden, die er eingebaut hat, wird dem Leser die Vorgeschichte von Pavlina nähergebracht und man versteht erst dadurch, wie es zu der aktuellen Situation kommen konnte. Die Sprünge regen zum Mitdenken an und genau dies ist so packend. Wir finden auch, dass die verstrickte Familiengeschichte das Buch eindrücklicher macht. Zuerst hat es den Anschein, dass es sich um eine normale Familie mit Cousin, Onkel und Vater handelt, doch dann erfährt man, dass alles viel komplizierter ist und Pavlina die Schwester und nicht die Cousine von Aris ist. Die Figuren im Buch wissen dies aber nicht, nur der Leser erfährt es durch den auktorialen Erzähler. Die Ereignisse spitzen zu, Pavlina gibt ihr Kind zur Adoption frei und eine fesselnde Suche beginnt. Der Autor schildert diese Suche sehr berührend, man kann sich in Pavlina hineinfühlen und spürt ihre innere Verzweiflung. Ihre Gedanken und Gefühle werden so präzise beschrieben, dass es uns so vorkam, als ob wir selbst auf der Suche nach unserem verlorengegangenen Kind sind.
Der Autor stellt die Lage von Pavlina verstärkt durch einen Ortswechsel dar. Der kulturelle Wechsel von der sonnigen Insel auf Griechenland nach Genf in der Schweiz ist sehr passend zu ihrer Lebenssituation. Ihre sonnige Zeit ist vorbei, jetzt ist alles grau und ihre zwei grössten Lieben, Aris und ihre Tochter, sind weg.
Wir finden auch, dass die Geschichte durch das offene Ende spannender wirkt. Jeder kann sich die Geschichte selber zu Ende denken. Wir können das Buch wirklich weiterempfehlen.

d


Eine exklusive Liebe (Johanna Adorjan)

Filed under: Geschichte — bru @ 6:39

 

Luchterhand Verlag,  192 Seiten, Erscheinungsdatum: 2009

 Inhalt

Johanna Adorján erzählt die Geschichte des Suizids ihrer Grosseltern:

Vera, eine faszinierende, wunderschöne Frau, die in Budapest als Physiotherapeutin arbeitet, und István, ein Arzt, der Musik über alles liebt, sind alles andere als ein gewöhnliches Paar. Sie siezen sich ihr ganzes Leben lang und rauchen Kette.

Durch viele Gespräche mit Verwandten und Bekannten versucht die Autorin das Leben ihrer Grosseltern nachzuvollziehen. Diese überleben als ungarische Juden den Holocaust: Ihr Grossvater wird im KZ Mauthausen inhaftiert, ihre Grossmutter kann sich noch zusammen mit Johannas Vater in Budapest verstecken. Schon damals hat Vera vor, sich das Leben zu nehmen, falls István nicht mehr zurückkehrt.

Im Jahre 1956 fliehen ihre Grosseltern während des Aufstands von Budapest nach Dänemark. Dort leben sie glücklich miteinander bis István schwer krank wird. Vera will nicht ohne ihn weiterleben und deshalb beschliessen sie, sich 1991 in Kopenhagen gemeinsam das Leben zu nehmen.

Kritik

Johanna Adorján hat das Buch mit sehr viel Feingefühl geschrieben. Sie setzte sich damit gegen ihre Familie durch, in der es immer hiess: „Davon sprechen wir nicht.“ In dem Buch wird das Thema Freitod auf eine sehr persönliche Weise behandelt. Dadurch, dass Johanna Adorján selber von dem Suizid beeinflusst wurde, entstand ein Buch mit vielen persönlichen Eindrücken und Personencharakterisierungen.

Wer jetzt jedoch denkt, die Handlung sei sehr düster, der täuscht sich. Es steht nicht der eigentliche Suizid im Vordergrund, sondern der Weg dazu. Adorján beschreibt mit vielen Rückblenden die Vorgeschichte ihrer Grosseltern mit deren persönlichen Schicksalen: der überlebte Holocaust, die Flucht während Budapester Aufstands und die weite Reise, bis sie schlussendlich in Dänemark landeten.

Doch nicht nur die Geschichte, sondern auch die Personen werden einem in der Geschichte nahegebracht. Vera und Istvan, allein oft unsicher, aber zusammen nicht zu besiegen, haben ein sehr spezielles Verhältnis zueinander. Sie galten als perfektes Paar, waren elegant, unbequem und exzentrisch.

Durch viele Gespräche mit Verwandten und Bekannten ihrer Grosseltern und auch eigenen Erfahrungen entstand ein Bild, das immer noch geheimnisvoll und überraschend

die Geschichte in nicht chronologischer Reihenfolge erzählt, um Spannung aufzubauen.

23. Juni 2009                                         Julia Cluse, Julia Häfliger, Domenika Stutz, Klasse 4D
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