Welten erleben…

Donnerstag, 12 August 2010

Hüter der Macht (Sara Douglass)

Filed under: Fantasy — bru @ 8:29


Übersetzung aus dem Englischen: Sara Riffel
Verlag: Piper, Erscheinungsdatum: März 2008, Seitenzahl: 432, Genre: Fantasy

Inhalt
Zwei Mal im Jahr, zur Sonnen- und Wintersonnenwende, reist der Dominikanermönch Wynkyn de Worde nach Nürnberg, da sich in einem nahen Wald der Höllenschlund, das Tor zur Hölle, befindet. Durch dieses Tor werden die während des letzten halben Jahres geborenen Dämonen auf magische Weise in die Hölle verbannt. Von seiner letzten Reise kehrt er jedoch nicht mehr zurück, er erliegt der Pest und kann seine Aufgabe keinem Nachfolger weitergeben. Einige Jahrzehnte später erfährt der junge Dominikanermönch Thomas Neville von Wynkyns Geschichte und wird vom Erzengel Michael als Wynkyns Nachfolger berufen. So macht er sich auf die Reise nach Nürnberg, um dort Wynkyns mysteriöses Buch, das die Beschwörungsformeln zur Verbannung der Dämonen enthält, zu suchen und seine Aufgabe zu erfüllen.

Kommentar
Das Buch ist grundsätzlich gut geschrieben, es wird eine eher einfache Sprache verwendet, mit weni¬gen altertümlichen Begriffen. Die Charakteristik der Hauptperson und auch Nebenpersonen kommt gut zur Geltung, es werden einige kurze Gedankengänge des Protagonisten eingebaut, die die Persönlichkeit und Mentalität gut zeigen. Es herrscht ein gutes Gleichgewicht zwischen zeitdehnendem, zeit deckendem und zeitraffendem Erzählstil, obwohl die Zeit meistens gerafft wird. Die Autorin verwendet eine auktoriale Erzählform mit einigen personalen Zwischenteilen, so dass man in der Regel den Überblick hat, manchmal sich aber auch in die Figuren hineinversetzen kann.
Speziell ist die Kombination von Fantasy und historischen Hintergründen: Die Geschichte handelt im Mitteleuropa des 14. Jahrhunderts, der Schwarze Tod und der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich bilden einen zentralen Teil der Geschichte und schaffen so eine gute Kombination von Realem und Erfundenem. Der Leser kann den Reiseweg des Protagonisten ohne Karte mitverfolgen, er wird nicht durch viele unbekannte und ungewöhnliche Namen verwirrt. Jedoch könnte es einem Fantasyleser missfallen, dass die Handlung nicht in einer fremden Welt stattfindet. Vielleicht hätte man auch noch mehr Fantasyelemente in die reale Welt einbringen können, es ist eher weniger ein Fanta¬sybuch, wie man eines erwarten würde. Wir fanden diese Kombination aber interessant.
Die Spannung wird in der ganzen Geschichte auf einem ähnlichen Niveau gehalten, es gibt aber einige Phasen, in denen die Spannung etwas abnimmt. Der ganzen Geschichte fehlt unserer Meinung nach ein bisschen „der Kick“, es kommt nie richtig Spannung auf, die ganze Handlung ist eher moderat, die Protagonisten geraten nie wirklich in eine Situation, die den Leser an die Buchseiten bannen. Wir empfehlen dieses Buch deshalb einer Leserschaft, die sich noch nicht gross mit Fantasy befasst hat, es aber einmal versuchen möchte.
Im Allgemeinen finden wir das Buch aber gelungen, wenn auch nicht herausragend.
„Die Hüter der Macht“ bildet den ersten Teil einer vierteiligen Serie, vielleicht ist das hier Bemängelte in den nachfolgenden Büchern anders gestaltet.



Samstag, 16 August 2008

Elfen Ritter: Die Ordensburg (Bernhard Hennen)

Filed under: Fantasy — Schlagwörter: , — bru @ 7:41

„Elfenritter: Die Ordensburg“ ist Fantasy-Literatur der Bestseller-Reihe „Die Elfen“, welche dank ihres fesselnden Schreibstiles und der realitätsnahen Schilderung der Helden, die in den Herzen der Lesers weiterleben, die Jugend in ihren Bann zieht. Erschienen im Jahre 2007 ist das Werk das neuste von Bernhard Hennen und ist mit einer Seitenzahl von 636 im Handel für 9.95 Euro als Taschenbuch erhältlich.

Inhalt

Ort, Zeit, Thematik

Die Geschichte spielt im Spätmittelalter des 16. Jahrhunderts , als Krankheiten wie die Pest und das Toben schrecklicher Religionskriege das Schicksal zahlreicher Menschen bestimmten. Ritter, ausgerüstet mit Radschlosspistolen, Rapieren und Arkebusen, nehmen eine prägende Rolle in diesem Zeitraum ein. An verschiedenen erfundenen Schauplätzen wie dem nördlich gelegenen und mit der Küste Finnlands vergleichbarem Fjordland, dem sagenumwobenen, mythischen und von Elfen bewohnten Albenmark sowie auf der Insel thronenden Ordensburg in Valloncour nimmt die zentrale Handlung ihren Lauf.

Zentrale Handlung

Im Fijordland beginnt die Geschichte, wo die temperamentvolle Königstochter Gishild unter der Obhut ihres Vaters, dem autoritären König Gunnar, in der heidnischen Kultur aufwächst. Als zukünftige Thronfolgerin, fällt sie den verbündeten Elfen sofort ins Auge und wird deshalb von Silwyna, der Waldelfe, in der Kunst des Schleichens und Kämpfens erzogen, bis eine schlagartige Wendung ihr Leben grundlegend verändert. Mit der Zielsetzung der Tjuredkirche, das Heidentum und alle Völker Albenmarks zu vernichten, wird Gishild von den Anhängern dieser entführt, um so König Gunnar zur Kapitulation zu zwingen. Je länger sie unter ihren Todfeinden verweilt, desto mehr sieht Gishild sie in einem anderen Licht. Mit Auch wenn sie sich immer wieder ins Bewusstsein ruft, dass sie mitten unter den Gegnern verweilt. In der Zwischenzeit macht sich der sonst ruhig und bedacht handelnde Vater mithilfe der verbündeten Elfen und Trolle, „die Anderen“ genannt, auf die Suche nach ihr. Eine lange Reise beginnt. Als vorgesehene Thronfolgerin ist Gishild die letzte Chance für das Weiterexistieren des Königsstammbaums, da ihre Mutter nicht in der Lage ist, weitere Kinder zu gebären.

Ein zweiter Handlungsstrang erzählt von dem anderen Hoffnungsträger; von Luc de Lanzac dem Letztüberlebenden eines Pestdorfes. Gefunden von der Ordensritterin Michelle de Droy, nimmt er sich zum ehrgeizigen Ziel, auf das Amt des Ordenritters hinzuarbeiten, um so der Tjuredkirche dienlich zu sein.

Bernhard Hennen erzählt aus beiden Perspektiven von den verschiedenen Schicksalen der Kinder sowie den Spannungen und Konflikten, welche sich zwangsläufig aus den unterschiedlichen Einsätzen für oder gegen die Ideale der Kirche ergeben.

Handlungsführung, Perspektive, Stil, Zeitdarstellung

Krisen werden durch das plötzliche Sterben wichtiger Charaktere ausgelöst, was der Leser nicht voraussieht, da die Krisen häufig durch Zufall oder Fahrlässigkeit verursacht sind. Oft führen diese Situationen zu einer Wende in der Geschichte, da durch plötzliche Zwischenfälle Pläne verworfen und neue Optionen ins Auge gefasst werden müssen.

Die Wahl der Perspektive beschränkt sich auf die auktoriale Erzählweise. Ersichtlich ist dies an der Aufzeichnung der Gedanken verschiedener Personen im selben Kapitel und den zusätzlichen Informationen, die dem Leser vermittelt werden, ohne dass andere Figuren im Buch diese wahrnehmen können. Somit schlüpft der Leser in eine Rolle des Allwissenden. Die Darstellung der Zeit erfolgt in chronologischer Weise, wobei Rückblenden das Verständnis gegenüber der Denk- und Handlungsweise gewisser Charaktere erleichtern, welche schon durch erlebte Erfahrungen in den vorherigen Triologien geprägt sind

Bewertung des Buches

Gestaltung der Handlung

Schon von Anbeginn der Geschichte ist die Handlung fliessend; einleitende Worte oder klare Einführungspassagen gibt es nicht. Aus diesem Grund braucht der Leser einige Zeit um sich zurechtzufinden. Der abrupte Einstieg kann zur Verwirrung führen, vor allem dann, wenn plötzlich mit einem neuen Kapitel ein neuer Handlungsstrang beginnt. Nach und nach werden dem Leser wichtige Informationen preisgegeben, die sich dann wie eine Art Puzzle zu einem Gesamtbild der Situation mit den verschiedenen Charakteren vervollständigen.

Durch die detaillierte Schilderung ist man in der Lage, sich in die Situationen und Personen hineinzuversetzen: Obwohl das Buch unter der Rubrik „Fantasyroman“ läuft, wirkt die Literatur dennoch sehr realistisch, weil der Autor auf überflüssige Übertreibungen verzichtet. Die Persönlichkeitsgestaltung der Fantasyfiguren, wie der Elfen und Trolle, wirkt relativ realistisch, da menschliche Grundkonflikte thematisiert werden.

Klischeehaft wirkt der Roman keinesfalls, weil Bernhard Hennen immer wieder etwas Neues schafft und abrupte Wendungen des Geschehens oder Überraschungen einfügt.

Andererseits verursachen allzu detaillierte Beschreibungen eine gewisse Komplexität, welche das Lesen erschweren und langatmig machen. In gewissen Passagen ist deshalb für das vollständige Verständnis eine hohe Konzentrationsfähigkeit erforderlich.

Dadurch, dass immer am Ende eines Kapitels eine Hauptfigur in Gefahr, ein Bösewicht in Bedrängnis oder ein Rätsel ungelöst ist, wird die Spannung während der ganzen Geschichte aufrechterhalten.

Figurengestaltung

Die verschiedenen Figuren unterscheiden sich nicht nur rein äusserlich, sondern werden durch ihr Sprachniveau oder ihre Charaktereigenschaften deutlich voneinander unterschieden. Diese Unterschiede führen ganz besonders bei Begegnungen zwischen den Figuren zu neuen Konflikten, die wiederum Spannung erzeugen. Dank den vielen Handlungssträngen ist der Leser mit den Charakteren vertraut. Das Innenleben wird genau geschildert, wodurch glaubwürdige Beziehungen entstehen.

Zusätzlich werden beim Wechsel des Handlungsstranges und somit der Perspektive schlimme Todfeinde zu Helden mit Tugenden, welche eigentlich auch für das „Gute“ kämpfen. Auf diese Art schafft es der Autor eine klare Scheidewand von „Gut“ und „Böse“ zu umgehen. Der Leser wird Teil von beiden Perspektiven und zeigt Verständnis Gegenüber dem „Anderssein“.

Perspektivenwahl und Zeitgestaltung

Mit der auktorialen Erzählweise schafft es Hennen die Geschehnisse, die Beziehungen oder die Handlung sehr glaubwürdig zu gestalten. Einen Teil seiner Glaubwürdigkeit verdankt er sicher seiner Fähigkeit in einem Kapitel aus der Sicht von mehreren Person zu schreiben und stets an die Gefühle des Lesers zu appellieren. Die Perspektive ist grundsätzlich auktorial mit personalen Einschüben. Glaubhaftigkeit erzielt Hennen, indem er aufzeigt, wie die Figuren denken und fühlen. Bildhafte Rückblenden, die den Leser aber nicht aus dem Geschehen reissen, geben zusätzliche Informationen und verhelfen dem Leser sich in die Figuren zu versetzen.

Thematik

So wie der Autor die Strukturen der Tjuredkirche und deren Vorgehen beschreibt, sind diese ähnlich auch in Geschichtsbüchern dargestellt. Hennen thematisiert die Religionskriege. Ausserdem setzt sich der Leser mit der Problematik der Pest auseinander. Ferner ist zu sagen, dass weniger die Thematik als die Handlung die Komplexität des Romans ausmacht.

Durch die vielen, bis ins Detail beschriebenen Figuren, welche in der Geschichte bezüglich der Handlungsausführung und der Charakterentwicklung miteinander in Wechselwirkung stehen, ergibt sich ein riesiges Beziehungsnetz. Dadurch entsteht der grosse Umfang des Romans. Die Thematik an sich fliesst in die Charakter- und Handlungsgestaltung mit ein: Sie wirkt real und ist überzeugend mit der Geschichte verknüpft.

Stil

In hektischen Situationen und raschen Rednerwechsel in direkten Reden sorgen kurze Sätze für eine Beschleunigung des Geschehens. Mit längeren Sätzen, verwendet bei Situationsschilderungen oder Beschreibung auch der Realitätsnähe.

Fazit

Das Buch beinhaltet noch keine eindeutige Botschaft, da erst durch die beiden Folgebände klar wird, was Bernhard Hennen dem Leser mit seiner Geschichte aufzeigen will.

Ansätze lassen sich aber natürlich schon im ersten Buch erkennen. „Elfenritter: Die Ordensburg“ zeigt auf, wie wichtig Freundschaft ist und was man mit dem Glauben an sich selber erreichen kann.

Wir empfehlen dieses Buch allen Fantasy-Fans. Unser Tipp an alle Leser ist jedoch, zuerst die drei Vorgänger-Bande zu lesen, damit man die Handlung besser versteht und sich besser in altbekannte Figuren versetzen kann. Mit etwas Ausdauer und Zeit taucht man in eine Welt voller Magie und Abenteuer ein, was wir an diesem Buch sehr schätzen.

Benjamin Gisi / Simon Bucher 5F 07/08

Audio-Auszug: Die Elfen



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