Welten erleben…

Donnerstag, 12 August 2010

Das Zimmermädchen (Markus Orths)

Filed under: Psychologisches — bru @ 11:44

 

Erschienen 2008 bei Schöffling & Co.

138 Seiten, gebunden.

 Inhalt

Lynn Zapatek wird gerade aus einer Klinik entlassen und sucht einen Job. Sie findet Arbeit in einem Hotel. Lynn putzt gründlicher als alle anderen Zimmermädchen und macht ständig Überstunden, um nicht mit der Langeweile ihres eigenen Lebens konfrontiert zu werden. Lieber nimmt sie am Leben der Hotelgäste teil, indem sie deren Privatsachen durchsucht und sich Geschichten dazu ausdenkt. Einmal wird sie dabei von einem der Gäste überrascht. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich unter dem Bett zu verstecken – und schon hat sie eine neue Möglichkeit gefunden, aus ihrem Leben zu flüchten. Fortan versteckt sie sich regelmässig unter den Betten. Sie belauscht einen Mann, der seine Frau betrügt, und versucht immer aktiver, an all den Geschehnissen teilzuhaben. Doch da sie dabei immer wieder versagt und es von neuem versuchen muss, wird das Verstecken allmählich zu einem Zwang.

Kommentar 

Obwohl der Roman „Das Zimmermädchen“ sehr kurz ist, wird der Inhalt in die Länge gezogen. Der Stil ist äusserst ausschweifend, es werden viele Details beschrieben. Die Geschichte dahinter ist eher dürftig; es wird wenig erzählt, dafür lässt sich umso mehr in die weit verstreuten Informationen interpretieren. Der Autor bedient sich ausführlicher Beschreibungen, um Stimmung zu schaffen und zu verdeutlichen, wie sich die Protagonistin fühlt. Die gesamte Geschichte wird auktorial und meist zeitdeckend erzählt – so ist sie auch im Präsens geschrieben. Die Sätze können bis zu einer halben Seite lang sein. Dies ist beides zwar ungewöhnlich, passt aber ausgezeichnet zur dumpfen Langeweile in Lynns Leben. Orths lässt den Leser dieselbe Langeweile empfinden. Wenn Spannung aufgebaut wird, greift der Autor aber auf Sätze zurück, die nur etwa zwei oder drei Wörter lang sind. Genauso knapp sind auch Lynns Gespräche mit ihrer Mutter gehalten – insgesamt ist die selten benutzte direkte Rede in Orths Buch immer auffallend herzlos geschrieben. Auch auf den letzten paar Seiten bleiben die Sätze kurz, um die drastische Entwicklung von Lynns Sucht noch zu betonen. Ausserdem wird dem Leser durch den noch spärlicheren Informationsgehalt am Ende klar, dass die Geschichte weitergehen muss, denn ein klarer Abschluss lässt sich nicht feststellen.

Wir würden das Buch nicht weiterempfehlen, da die Langeweile in Lynns Leben doch sehr ausdrücklich dargestellt wird. Zwar denken wir, dass der Stil gelungen ist und der Autor ein grosses Talent im Beschreiben von Gefühlen hat, doch ist das freiwillige Empfinden von Langeweile nicht jedermanns Sache. Wer aber von Orths’ Stil begeistert ist und gerne selber die Geschichte mitentwickelt, sollte „Das Zimmermädchen“ auf jeden Fall lesen, denn die Geschichte an sich ist interessant.

 23. Juni 2009   Petra Höltschi, 4b / Daniela Spälti 4b



Jesabel (Jézabel) von Irène Némirovsky

Filed under: Gesellschaft,Psychologisches — bru @ 10:20

Übersetzung (ins Deutsche):  Eva Moldenhauer, Verlag: btb,

Erscheinungsdatum: – Originalausgabe (franz.): 1936    - deutsche Übersetzung: August 2008

 Inhaltsangabe

Die Geschichte spielt in den 30er Jahren in Paris. Es geht um die reiche Frau Gladys Eysenach, die ewig jung und schön bleiben will. In ihrer Jugend wird sie von allen Männern begehrt. Dieses Begehrtsein liebt und braucht Gladys. Sie tut alles dafür, dass sie immer so begehrt bleibt.

Als ihre Tochter jedoch zur Welt kommt, beobachtet sie neidvoll, wie diese zu einer wunderschönen Frau heranwächst, während sie vom Alter immer stärker gezeichnet wird. Diese Veränderung und die Angst, dass sie immer mehr von ihrer Tochter, Marie-Thérèse, in den Schatten gestellt wird, machen ihr sehr zu schaffen. Gladys tut alles, um den natürlichen Lauf des Älterwerdens zu verhindern. Dafür ist ihr kein Preis zu hoch, nicht einmal das Leben ihrer Tochter. Zum Beispiel verhindert sie die Hochzeit von Marie-Thérèse, damit sie keine Schwiegermutter wird, was ein Beweis dafür wäre, dass sie alt geworden ist. Gladys akzeptiert nicht einmal das Kind, das Marie-Thérèse erwartet. Was sie nicht weiss: Diese Entscheidung wird ihr ganzes Leben verändern…

Kommentar

 In der heutigen Zeit hat die Schönheit einen sehr hohen Stellenwert. Man könnte meinen, dass nur noch äussere Werte zählen. Die Welt wird nur noch objektiv betrachtet und alle wollen schön sein.

In dem Buch „Jesabel“ wird genau dieses Thema aufgegriffen. Das Buch hat deshalb einen gewissen Bezug zur Gegenwart und das Thema ist immer aktuell, da Schönheit in der Gesellschaft immer ziemlich hoch bewertet wird.

Die Geschichte fängt mit einer Gerichtsverhandlung als Vorspann an, in dem Gladys verurteilt wird, einen ihrer vermuteten Liebhaber, Bernard Martin, umgebracht zu haben. Dieser Einstieg führt dazu, dass man gleich am Anfang mit Personen und Fakten überhäuft wird, was zu Verwirrung führen kann. So läuft man Gefahr, dass man das Buch schnell wieder weglegt. Doch im Nachhinein entpuppt sich dieser Einstieg als sehr genial und überlegt. Denn die Informationen, die man während dem Verhör bekommen hat, kommen über die ganze Geschichte verteilt wieder vor und dienen so als Leitfaden.

Während der ganzen Geschichte merkt man, wie wichtig Schönheit und Jugend für Gladys sind, denn die Autorin betont dies sehr oft. Auf Grund der detaillierten Schreibweise kann man sich zum Teil sogar sehr gut in die Lage von Gladys versetzen.

Den Schluss finden wir gut gestaltet und alle Fragen sind eigentlich geklärt, ausser der Frage, warum der Titel des Buches „Jesabel“ ist. Denn in der Geschichte kommt keine einzige Person vor, die Jesabel heisst. Es kommt nur das Zitat „Des Nachts erschien mir meine Mutter Jesabel…“ vor, das man aber zu diesem Zeitpunkt nicht versteht. Deshalb fanden wir das Buch zuerst nicht so gut. Nach einigem Nachforschen im Internet fanden wir schliesslich folgende Erklärung: Der Name Jesabel bedeutet „die schöne Priesterin“ und das Zitat kommt in der Bibel vor. Da taucht auch eine Jesabel auf, die aber eher negativ behaftet ist. Sie wird als Sünderin und Verführerin dargestellt, eigentlich als Hure. Am Schluss wird sie sogar hingerichtet. Diese Hinrichtung kann man mit dem Gerichtsprozess gegen Gladys identifizieren. Somit wird mit dem Namen Jesabel und dem Zitat eigentlich der ganze Charakter von Gladys beschrieben. Das Zitat ist auf Bernards erstes Treffen mit Gladys, welches in der Nacht statt fand, bezogen.

Im Grossen und Ganzen ist das Buch somit sehr gut. Wenn man jedoch die Zusammenhänge, auch mit dem Namen Jesabel und dem Zitat nicht erkennt, ist es etwas langweilig. Wir finden es deshalb sehr bemerkenswert, wie ein einziges Zitat ein ganzes Buch beeinflussen kann. Wir würden das Buch deshalb jedem weiterempfehlen, der gern auch mal zwischen den Zeilen liest.

 23.06.2009                                     Jaqueline Boog, Claudia Frey



Tochter des Meeres (Metin Arditi)

Filed under: Beziehungen,Psychologisches — bru @ 10:11

 

Hoffmann und Campe, erschienen am 16.2.2009, 265 Seiten, gebunden

aus dem Französischen von Claudia Steinitz

Inhalt                                                                                                                 

Im Buch „Tochter des Meeres“ geht es um die Geschichte eines jungen Mädchens, das mit seiner Familie auf der Insel Spetses in Griechenland lebt. Es wirkt wie eine Familienidylle: Die Brüder Spiros und Nikos Louganis kamen auf die Insel, fanden Arbeit, heirateten. Sie bauten sich ein Haus, wo nun beide Familien übereinander leben. Nikos und seine Frau bekamen einen Sohn, Aris, Spiros und seine Frau bekamen eine Tochter, Pavlina. Doch was nur Spiros’ Frau und Nikos wissen: Pavlina ist nicht die Tochter von Spiros, sondern von Nikos. Kurz nachdem das bekannt wird, sterben Spiros und Nikos bei einem Fischerunfall wegen Dynamit – die Lunte war zu kurz. Zuerst hält man es für einen Unfall, doch dem Leser wird ziemlich schnell klar, dass es sich um einen Mord und einen Selbstmord handelt. Fünf Jahre später verliebt sich Pavlina in ihren Cousin, Aris. Sie wird schwanger von ihm, muss aber das Kind zur Adoption freigeben.  Das Drama nimmt seinen Lauf.

Kommentar

Zu Beginn des Buches werden sehr viele Informationen geliefert. Die ungewöhnlichen griechischen Namen machen es noch schwieriger, diese verknüpfen zu können. Die Handlungen von einigen Personen werden teilweise nicht erklärt und bleiben deshalb bis zum Schluss unverständlich. Zum Beispiel erfährt man nie, warum Spiros sich auf eine bloße Ahnung hin entschließt, das Leben seines Bruders zu beenden und so zwei Familien den Vater nimmt. Jedoch erhält der Leser dank des auktorialen Erzählstils viele Informationen, die die Hauptperson Pavlina erst später oder gar nicht erfährt. Im zweiten Teil der Handlung versucht Pavlina verzweifelt ihre Tochter wieder zu finden. Es kommen keine neuen Handlungsstränge mehr dazu. Ihre Versuche und Wünsche werden sehr ausführlich beschrieben. Die Geschichte dreht sich ebenso im Kreis wie Pavlinas Gedanken, der Leser wird immer wieder mit derselben Situation konfrontiert. Dies kann als ein Versuch von Arditi gedeutet werden, Pavlinas Verlust für den Leser verständlich zu machen, was aber nicht immer zu gelingen scheint. Dazu, dass der Leser nicht gut mitfühlen kann, kommt aber noch die Eintönigkeit des Textes, der das Lesen deutlich erschwert und dazu führen könnte, dass manche Leser das Buch im zweiten Teil als ermüdend betrachten. Wegen des zweiten eher langatmigen Teils empfehlen wir das Buch nur bedingt. Den ersten Teil fanden wir jedoch spannend. Wer sich an die Herausforderung wagen möchte und über genügend Ausdauer verfügt, wird „Die Tochter des Meeres“ sehr gerne lesen.

2009        Jana Bärenbold 4B / Livia Müller 4B



Pharmakos (Andreas Laudan)

Filed under: Gesellschaft,Psychologisches,Zukunft — bru @ 10:04

 

Verlag:   dtb, Erscheinungsdatum:  1. Mai 2009, Seiten:    256,  Originalsprache;         

Inhalt

Im Echtzeit-Thriller Pharmakos geht es um einen jungen Mann, der im Jahr 2019 lebt. Deutschland steht kurz vor dem Zusammenbruch. Es sind über 10 Millionen Menschen arbeitslos und viele sind völlig verarmt. Volker Kühn hat seinen Job bei einer Computerfirma als Kundenberater verloren, da er ein starker Raucher ist und somit durch Selbstverschulden einen Kehlkopfkrebs bekommen hat. Jetzt ist er zum Sozialfall geworden und muss in ein Ghetto ziehen. Nach einer Behandlung in einem staatlichen Spital erwacht er und neben ihm liegt der ehemalige Arzt Andresen. Dieser sagt Volker Kühn, dass er von einer Geheimorganisation mit einem Gift namens Axxidizyn vergiftet sei, um so die Kosten für den Staat zu senken. Ausserdem erfährt Volker, dass er in etwa 12 Stunden sterben wird. Andresen sagt ebenfalls, dass es in Hamburg eventuell ein Gegengift gibt.  Nun beginnt eine spannende Flucht vor einer mysteriösen Organisation und vor der Polizei quer durch Deutschland, und das gegen die Zeit.

Kommentar

Wir denken, dass das Buch Pharmakos ziemlich gut ist – insbesondere, weil es sich um das erste Buch von Andreas Laudan handelt. Unserer Meinung nach ist der Titel sehr gut gewählt, da er sehr kurz und prägnant ist. Die Bedeutung des Titels wird im Laufe der Geschichte spannend erklärt. Die Art, wie es geschrieben ist, erzeugt eine grosse Spannung, da die Gefühle der Hauptperson sehr ausführlich beschrieben sind. Man kann sich gut in Volker Kühns Lage versetzen. Weil Andreas Laudan viele Passagen zeitdeckend geschrieben hat, ist die Geschichte gut nachvollziehbar. Aber es gibt auch einige Rückblenden, damit die Geschichte nicht eintönig wir und dem Leser auch wichtige Zusammenhänge klar werden.

Das ganze Buch ist sehr einfach geschrieben. Es sind meistens nur kurze Sätze. Unserer Meinung nach sind Teile der Geschichte ziemlich unrealistisch, zum Beispiel verschwindet der Kehlkopfkrebs von Volker Kühn plötzlich von selbst. Andreas Laudan stellt die Geschichte wie eine Fantasiewelt dar. Bei einigen Ereignissen ist die Wahrscheinlichkeit eines Sechsers im Lotto sogar höher. Der Erzähler ist durchgehend ein personaler Er-Erzähler. Wir finden, dass nicht gut, weil es dadurch ziemlich eintönig wirkt. Es wäre besser, wenn Andreas Laudan zwischendurch in neutraler oder auktorialer Erzählform geschrieben hätte. Wir denken, dass der Autor seine Vorgabe einen Echtzeit-Thriller zu schreiben mehrheitlich erfüllt hat. Wir würden das Buch allen empfehlen, die gerne Actionfilme sehen, weil das Buch von uns aus gesehen wie ein Actionfilm aufgebaut ist. Pharmakos ist für ungeübte Leser gut geeignet. Die Geschichte ist nichts für Leute, die anspruchsvolle Literatur mögen, das hat uns etwas enttäuscht.

22.06.09                      Artes Alicioglu, Thomas Stadelmann,



Mängelexemplar (Sarah Kuttner)

Filed under: Beziehungen,Psychologisches — bru @ 9:53

 

S. Fischer Verlag Frankfurt, März 2009, 256 Seiten

 Inhalt

Karo Hermann, klug und liebenswert, aber auch frech, provokativ und chaotisch, sitzt vor ihrem neuen Psychiater, der ihr ganz gelassen ins Gesicht sagt, dass eine Depression „ein fucking Event“ ist. Wie in einer Castingshow kommt sie sich vor und gibt alles, um in den Recall eingeladen zu werden, denn sie braucht diese Therapie unbedingt und auch die Anti-Depressiva, die der Psychiater ihr verschreiben kann.

Rückblickend erzählt Karo ihre Geschichte, wie sie vor einem Jahr begonnen hat. Angefangen beim Verlust ihres Jobs, bis hin zum liebeskummergeplagten Alltag einer zu Depressionen neigenden jungen Frau. Erst macht sie Schluss mit ihrem Freund, zu dem sie eigentlich nie gepasst hat. Doch als sie merkt, dass er mit der Trennung ganz einverstanden ist, möchte sie ihre Entscheidung am liebsten wieder rückgängig machen.

Karo fällt in ein tiefes Loch, aus der nur ihre Mutter und Anette, ihre Psychotherapeutin, ihr helfen können. Eine Panikattacke nach der anderen überkommt sie und nimmt das Leben der eigentlich recht lebensfrohen jungen Frau ein.

Kommentar

Das Buch beginnt für den Leser mit einem Sprung ins kalte Wasser. Man wird sofort mit allen Problemen von Karo konfrontiert. Man fühlt von Anfang an mit ihr, ist aufgewühlt, traurig und dann wieder erschrocken. Karo verkörpert in Sarah Kuttners Debütroman die Hauptperson. Im Zentrum stehen ihre Ängste und Depressionen, die ihr Leben immer mehr auf den Kopf stellen. Sarah Kuttner greift damit ein sehr heikles und ernstzunehmendes Thema auf, übermittelt diese Angstzustände aber aus der Perspektive von Karo in einer selbstironischen Art und Weise.

Bei der Darstellung der Hauptfigur fallen gewisse autobiografische Parallelen zur Autorin auf. Aber wer das Buch liest, kann sich in vielen Situationen auch mit Karo identifizieren, wenn er will. Da das Buch in der Ich-Perspektive geschrieben ist, wird einem das sehr leicht gemacht.

Depressionen, Angst und Verzweiflung stehen im Mittelpunkt der ganzen Handlung. Jedoch wird gibt Karo auch die Sexualität einen sehr hohen Stellenwert. Karo hat eine sehr seltsame Vorstellung über Liebesbeziehungen. Sie glaubt, dass nach jeder ernsthaften Beziehung eine Übergangsbeziehung nötig ist, bevor man wieder bereit ist, sich zu binden. Eine Übergangsbeziehung definiert sie jedoch nur als Bettgeschichte.

Das ganze Buch ist auf einer selbstironischen Ebene geschrieben. Karo personifiziert oft Dinge wie zum Beispiel ihre eigene Wohnung oder spricht mit sich selbst. Durch dies wird dem Buch eine spezielle, aber lustige Note gegeben.

Der Titel „Mängelexemplar“ ist weniger unpassend, da das Wort im Buch nur in einem einzigen Satz gegen Ende erwähnt wird. Mit dem Titel ist Karo als Mängelexemplar gemeint, mit all ihren Macken.

Das Cover hinterlässt beim Leser einen bleibenden Eindruck. Es zeigt ganz einfach, aber eindrücklich wie sich bei Depressionen ein Riss durchs Leben zieht.  Die Sicherheitsnadel versucht zu zeigen, wie Karo ihr Leben auf die Reihe kriegen will und somit jedes einzelne Puzzlestück ihres Lebens zusammenheften muss.

Es ist eine Geschichte über eine ernstzunehmende Krankheit, welche mit einer tollen Komik erzählt wird. Frech erzählt Kuttner das Gefangensein von Karo in sich selbst. Eine aussergewöhnliche Geschichte über eine aussergewöhnliche Frau, welche sich trotz vieler Tiefschläge mit der Krankheit auseinandersetzt und langsam mit der Depression umzugehen lernt.

Auf jeden Fall ist „Mängelexemplar“ sehr lesenswert für alle, die eine emotionale Herausforderung suchen.

22.06.2009             Laura Beck, 4d / Perrine Felder, 4d



Von nun an für immer (Dorothy Koomson)

Filed under: Beziehungen,Familie,Psychologisches — bru @ 9:43

 

Verlag: Ullstein, Erscheinungsdatum: 2006, Seitenzahl: 520, Übersetzt aus dem Englischen

Inhalt:
Kamryn schlüpfte vorsichtig ins Bett um nichts vom Tablett zu stossen, dann trank sie Champagner und riss die Glückwunschkarten auf wie ein kleines Kind. Ohne zu überlegen öffnete sie auch die nächste Karte, die überraschend von ihrer Freundin Adele kam.

Del ist todkrank, sie bittet Kam, sich um Tegan, ihre kleine Tochter zu kümmern und dabei die freundschaftszerreisende Vergangenheit ein Stück weit zu vergessen.

Zuerst von Wut und Trauer geschockt, möchte Kam Tegan keinesfalls adoptieren, doch besucht sie die beiden, erkennt sie die Not und versucht alles zu machen, um Del die letzte Reise zu verschönern.

Als Del kurz darauf und doch irgendwie unerwartet stirbt, packt Kam ihre neue Aufgabe.

Durch die Adoption von Tegan wird sie tagtäglich mit der Vergangenheit, dem Betrug ihrer besten Freundin mit ihrem damals Verlobten Nate, konfrontiert.

Nate beizubringen, dass Tegan seine Tochter sei und selbst mit diesem grossen Brocken fertig zu werden, nimmt Kamryn alle Kraft. Mit Hilfe von Luke kämpft sich Kamryn ins Glück.

Kommentar:

Das Buch war von Anfang an sehr spannend. Die beeindruckende Geschichte, dieser bewegende Schicksalsschlag und dieser steinige Weg, hat uns sehr mitgerissen.

Das Buch hat einige Fragen aufgeworfen, die ganze Geschichte wirkte sehr real. Es ist keine typische schnulzige Liebesgeschichte. 

Aufgefallen ist uns, dass es oftmals grosse Zeitspünge in einem Kapitel gab, von einem Abschnitt zum nächsten sind teilweise Tage bis sogar Monate vergangen. Besonders am Schluss werden ganze 16 Monate übersprungen und doch wird die vergangene Zeit sehr genau und wieder hervorgeholt.

Wir fanden, dass der letzte Teil ziemlich lang gezogen wurde, eine Zeit lang wollte man unbedingt das Ende wissen, vor allem da man nie wusste wie sich Kamryn entscheiden würde, für ihren Ex-Liebhaber Nate oder für die neue Liebe Luke. Manchmal hatte man das Gefühl das Resultat sei sonnenklar, doch es wurde immer wieder anders.

Für das Buch braucht man ein wenig Geduld, denn es hat 520 Seiten.

Datum: 25.6.2009                                                                                                          Vera Kunz, Carmen Bättig



Darum (Daniel Glattauer)

Filed under: Krimi,Psychologisches — bru @ 9:26


Verlag:Goldmann, Erscheinungsdatum: März 2009, Seitenanzahl:316, Sprache: Deutsch

Inhaltsangabe

Der ehemalige Verlagslektor Jan Haigerer, der als Journalist und Gerichtsreporter arbeitet, schiesst eines Abends einen ihm unbekannten Mann in einem Nachtclub nieder. Kurz darauf stellt er sich der Polizei. Bei der Polizei wird er aufgrund seines beharrlichen Geständnisses inhaftiert und in die Isolationshaft gebracht. Bei den Prozessen vor Gericht will ihm jedoch keiner glauben, da seine Pressekollegen hinter ihm stehen und nicht einmal die Polizei ihm glaubt, da er kein erkennbares Motiv hat und über sein Motiv nichts aussagen will. In den langen Prozessen wird sein Leben immer wieder durchforscht, um das Motiv für den Mord zu finden.

Rezension

Die ganze Geschichte ist in einem gut lesbaren Stil geschrieben und es fehlt nicht an Sprachwitz, Vergleichen oder Metaphern. Die Handlung hat uns gut gefallen, da der Autor die schwierige Aufgabe, einen spannenden Krimi zu schreiben, in dem der Täter von Anfang an bekannt ist, hervorragend gemeistert hat. Am Ende wird es bei der Suche nach dem Motiv sehr spannend.
Sehr gut fanden wir, dass man über das Leben der Hauptperson erst während dem Prozess mehr erfährt und sich dadurch mit Geschehnissen in seinem Leben selbst ein mögliches Motiv zusammenreimen kann. Das regt zum Lesen an, da man gespannt darauf ist, welches das richtige Motiv ist, da immer mehr Informationen, aber auch Fehlinformationen aufkommen.
Der Anfang ist ziemlich kurz gehalten und beschränkt sich auf die wichtigsten Ereignisse, wie zum Beispiel den Mord. Der Mittelteil hingegen ist eher langatmig geschrieben und spiegelt die Haftbedingungen wider, die im Buch auch mit der „Schachnovelle“ von Stefan Zweig verglichen werden.
Sehr passend finden wir den Titel, der genau die Frage beantwortet, die den Leser die ganze Geschichte über beschäftigt. Der Titel ist eine Anspielung auf das Verhalten von Haigerer: Während des ganzen Prozesses beantwortet Haigerer die Frage nach dem Motiv immer wieder mit: „Darum“.
Der Korkenzieher auf dem Titelbild passt sehr gut zur Geschichte, da sich die Verhörmethoden wie ein Korkenzieher in sein Leben bohren. Ausserdem trinkt die Hauptfigur sehr oft und am liebsten einen österreichischen Wein, namens „blauer Zweigelt“.
In der Geschichte hängt also sehr vieles zusammen, was zusätzlich noch Spannung übermittelt. Man wird richtig zum Denken angeregt und kann fast nicht mehr aufhören zu lesen.



Ich bring mich um die Ecke (Erlend Loe)

Filed under: Psychologisches — bru @ 8:38


Originaltitel: Muleum, Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 2007 in Norwegen, 1. Auflage in Deutsch in 2008

Übersetzer: Hinrich Schmidt – Henkel

Inhaltsangabe

Julie ist eine 18 – jährige Schülerin. Plötzlich bekommt sie ein SMS von ihrem Vater aus einem Flugzeug über Afrika: „Wir stürzen ab. Ich liebe Dich. Tu, was du willst. Papa.“ Julie ist klar, dass ihr Vater und die ganze Familie nie mehr aus dem Urlaub zurückkommen werden. Nun beginnt für Julie eine Krise. Julie schottet sich von den Menschen ab. Die Versuche der Verwandten, mit Julie etwas zu unternehmen, verlaufen ins Leere. Der Psychiater kann Julie nicht helfen und Julies Freundin Constance geht ihr auf die Nerven. Bei Krysztof, ihrem Hausangestellten, sucht sie in der Neujahrsnacht in der körperlichen Liebe Trost, aber alles geht schief. Grund genug sich vom Leben zu verabschieden. Doch wie? Für Julie beginnt ein neues, ganz anderes Leben mit einer Reise um die ganze Welt nach der Suche eines perfekten und noch nie dagewesenen Selbstmords…

Kritik

Der Stil des Buches ist gut. Der Autor versteht es, den Text auch optisch mit Wortwiederholungen, etc. wirksam einzusetzen. Die Geschichte ist in einer einfachen, verständlichen und saloppen Sprache geschrieben, die den Leser zusätzlich zum Lesen animiert. Die Geschichte wird von Julie in einem inneren Monolog erzählt. Durch den Tagebuchstil ist dieses Buch sehr abwechslungsreich im Vergleich zu vielen anderen Büchern. Die Ideen mit den vielfältigen Selbstmordgedanken sind originell und interessant zu verfolgen.

Mit einem schwarzen Humor führt Erlend Loe die Leser in eine Tabuzone der menschlichen Gesellschaft.

Unterschiedliche Meinungen der Kritiker:

„Ich finde das Buch langweilig. Der Leser bekommt sehr schnell mit, worum es sich in diesem Buch handelt. Man kann den Schluss eigentlich voraussehen. Selbstmord wird in diesem Buch viel zu stark verharmlost. Die einzelnen Versuche von Julie haben immer wieder das gleiche Ziel, und dies führt zu keiner Abwechslung. Der Leser wird so aufgefordert, vielleicht die ersten und die letzten Seiten zu lesen, der restliche Teil der Geschichte ist nicht notwendig.“ – Mary

„Dem Autor ist ein kleines Meisterwerk gelungen. Die Geschichte bringt den Leser regelmässig zu einem Lächeln, hervorgerufen durch den unmöglichen und absurden Humor des Autors, der sich unzerstörbar als roter Faden durch die Geschichte zieht. Man darf die Thematik des Buches nicht zu ernst nehmen, sonst geht der Reiz des Romans unrettbar im tiefen Abgrund des Ernstes verloren.“ – Stefan



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