Erschienen 2008 bei Schöffling & Co.
138 Seiten, gebunden.
Inhalt
Lynn Zapatek wird gerade aus einer Klinik entlassen und sucht einen Job. Sie findet Arbeit in einem Hotel. Lynn putzt gründlicher als alle anderen Zimmermädchen und macht ständig Überstunden, um nicht mit der Langeweile ihres eigenen Lebens konfrontiert zu werden. Lieber nimmt sie am Leben der Hotelgäste teil, indem sie deren Privatsachen durchsucht und sich Geschichten dazu ausdenkt. Einmal wird sie dabei von einem der Gäste überrascht. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich unter dem Bett zu verstecken – und schon hat sie eine neue Möglichkeit gefunden, aus ihrem Leben zu flüchten. Fortan versteckt sie sich regelmässig unter den Betten. Sie belauscht einen Mann, der seine Frau betrügt, und versucht immer aktiver, an all den Geschehnissen teilzuhaben. Doch da sie dabei immer wieder versagt und es von neuem versuchen muss, wird das Verstecken allmählich zu einem Zwang.
Kommentar
Obwohl der Roman „Das Zimmermädchen“ sehr kurz ist, wird der Inhalt in die Länge gezogen. Der Stil ist äusserst ausschweifend, es werden viele Details beschrieben. Die Geschichte dahinter ist eher dürftig; es wird wenig erzählt, dafür lässt sich umso mehr in die weit verstreuten Informationen interpretieren. Der Autor bedient sich ausführlicher Beschreibungen, um Stimmung zu schaffen und zu verdeutlichen, wie sich die Protagonistin fühlt. Die gesamte Geschichte wird auktorial und meist zeitdeckend erzählt – so ist sie auch im Präsens geschrieben. Die Sätze können bis zu einer halben Seite lang sein. Dies ist beides zwar ungewöhnlich, passt aber ausgezeichnet zur dumpfen Langeweile in Lynns Leben. Orths lässt den Leser dieselbe Langeweile empfinden. Wenn Spannung aufgebaut wird, greift der Autor aber auf Sätze zurück, die nur etwa zwei oder drei Wörter lang sind. Genauso knapp sind auch Lynns Gespräche mit ihrer Mutter gehalten – insgesamt ist die selten benutzte direkte Rede in Orths Buch immer auffallend herzlos geschrieben. Auch auf den letzten paar Seiten bleiben die Sätze kurz, um die drastische Entwicklung von Lynns Sucht noch zu betonen. Ausserdem wird dem Leser durch den noch spärlicheren Informationsgehalt am Ende klar, dass die Geschichte weitergehen muss, denn ein klarer Abschluss lässt sich nicht feststellen.
Wir würden das Buch nicht weiterempfehlen, da die Langeweile in Lynns Leben doch sehr ausdrücklich dargestellt wird. Zwar denken wir, dass der Stil gelungen ist und der Autor ein grosses Talent im Beschreiben von Gefühlen hat, doch ist das freiwillige Empfinden von Langeweile nicht jedermanns Sache. Wer aber von Orths’ Stil begeistert ist und gerne selber die Geschichte mitentwickelt, sollte „Das Zimmermädchen“ auf jeden Fall lesen, denn die Geschichte an sich ist interessant.
23. Juni 2009 Petra Höltschi, 4b / Daniela Spälti 4b







